
Das alte Gefängnis auf dem Oberen Schloss
Während sich in den umliegenden Dörfern des reußischen Herrschaftsgebietes die gutsherrlichen Gefängnisse weitestgehend in den Spritzenhäusern oder ähnlichen festen ortsnahen Gebäuden befanden, war das landesherrliche Gefängnis bis zum Jahr 1879 im Oberen Schloß untergebracht, ehe es ab diesem Jahr in das alte Landgerichtsgebäude (heute Landratsamt) und ab 1912 in das neue Justizgebäude (heute Polizeiinspektion) verlegt wurde.Als „Fronveste“ dienten Zellen über dem Eingangstor zum inneren Schloßhof (Stelzentor). Im Jahr 1832 hatte eine Insassin in diesem Gefängnis einen Brand verursacht, der glücklicherweise nicht auf weitere Räumlichkeiten des Schlosses übergriff. Allerdings verlor die Gefangene infolge des Brandes ihr Leben genauso wie ihr „unschuldiges Kind“, das mit ihr gemeinsam die Zelle bewohnen mußte. Trotz dieses für das Schloß glücklichen Ausgangs setzte man Jahre später den Plan um, ein nicht mit den Schloßmauern verbundenes Gebäude als Gefängnis zu errichten. Dazu wurde ein Bauplatz im unteren Schloßhof ausgewählt, wo im Jahr 1853 das neue einstöckige Gefängnisgebäude mit drei Zellen errichtet wurde. Jede der Zellen war mit einem Kanonenofen ausgestattet, der im Winter zweimal täglich – früh und abends (bei großer Kälte auch mittags) – von außerhalb der Zellen befeuert wurde. Außerdem war neben der Tür in der Wand für die Durchreichung der Speisen eine Öffnung mit einem von außen verschließbaren kleinen Türchen eingebracht (s. Foto unten). Frische Luft bekamen die Delinquenten nur in geringem Maße. Länger Einsitzenden (über einenMonat) stand zweimal wöchentlich eine halbe Stunde Freigang in Ketten zu. Der Gefängniswärter, dem neben dem Heizen auch Ordnung und Sauberkeit der Zellen oblag, wohnte im Gebäude gegenüber. Mit dem Umzug des Gefängnisses ins Landgerichtsgebäude erhielt das ehemalige Gefängnisgebäude durch Aufstockung neue Nutzungsmöglichkeiten als Familienwohnhaus für Schloßbedienstete. Die ehemaligen Zellen aber waren vorrangig Lagerzwecken vorbehalten. Gerüchte, daß eine der Zellen zu DDR-Zeiten als Stasi-Abhörzentrale gedient haben sollte, bestätigten sich nicht. Lediglich eine Funkstation des Wehrkreiskommandos Greiz, die ihre Arbeit wohl nie aufgenommen hat, war bis zum Jahr 1989 in einer der Zellen untergebracht. Aber wer vermag hier zu trennen.Eine Episode am Rande: Während die Gefängniszellen auf dem Oberen Schloß und später im neuen Justizgebäude die sichere Verwahrung der Delinquenten gewährleistete, gelang im Jahre 1881 einem Untersuchungsgefangenen die Flucht aus dem Landgerichtsgebäude, indem er die Außenmauer seiner Gefängniszelle durchbrach. Grund, „daß der Genannte einer verhältnismäßig sehr kurzen Zeit bedurft habe“ war, daß für den Bau der Zellen eine falsche Mörtelzusammensetzung gewählt worden war, wie Analysen belegten.



So brachte „Baupfusch“ dem Gefangenen Schaarschmidt die Freiheit….😉
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