Greizer Persönlichkeiten und Originale – Schulrat Berthold Schmidt (1838–1925)

Schulrat Berthold Schmidt (1838–1925)

​Berthold Schmidt wurde am 17. März 1838 in Greiz geboren. Seine Eltern waren der damalige Archidiakon und spätere Superintendent Dr. Gustav Schmidt und dessen Ehefrau Therese geb. Müller. Nach der Konfirmation besuchte Berthold Schmidt von 1853 bis 1856 das Gymnasium der Nachbarstadt Plauen. Anschließend studierte er in Erlangen und Leipzig Theologie. Im Frühjahr 1860 bestand er die „Kandidatenprüfung“ mit dem Prädikat „Sehr gut“. Daraufhin wirkte er zwei Jahre lang als Lehrer an der Krauseschen Lehr und Erziehungsanstalt in Dresden.

Im Herbst 1862 kehrte der Predigtamtskandidat Berthold Schmidt in seine Vaterstadt Greiz zurück, wo er die ehrenvolle Nachfolge für den verdienten Pädagogen und Theologen Alfred Resch (1835–1912) antrat, und zwar vorerst als Tertius ( 3. Lehrer) an der Knabenschule und im Dezember 1863 als erster Lehrer am Greizer Lehrerseminar. Durch die Ordinierung zum Predigtamt konnte er neben seinen schulischen Verpflichtungen auch kirchliche Dienste verrichten. ​Seit 1870 beteiligte sich er maßgeblich an der zeitgemäßen Neugestaltung des Greizer Schulwesens.

In Würdigung seiner vorbildlichen Aktivitäten wurde er Ende Februar 1873 zum Direktor der neugeschaffenen Greizer Gesamtbürgerschule berufen. Hier konnte er weiterhin seine überdurchschnittlichen pädagogischen Begabungen beweisen. Unterricht, Klassenziele und Stoffverteilung wurden den Bedürfnissen der Zeit angepasst. Lehrern und Schülern widmete er unermüdliche Fürsorge. Weiterblickend erkannte er die Bedeutung des weiblichen Einflusses auf die schulpflichtige weibliche Jugend und vertrat deshalb zeitbewußt die Anstellung von Lehrerinnen. Am 28. März 1880 erfolgte seine Ernennung zum Schulrat.​Neben seiner umfangreichen und aufopferungsvollen beruflichen Tätigkeit setzte er sich uneigennützig für kirchliche und wohltätige Belange ein, z. B. für den Verein für Innere Mission, den Gustav-Adolf-Verein, das Rote Kreuz und die außerschulische Erziehung.

Bleibende Verdienste erwarb er sich vorrangig um die Handwerkerfortbildungsschule, deren Leitung er 1888 zusätzlich übernahm, und um den im Jahre 1893 gegründeten „Knabenhort“.​Nach 33jähriger verantwortungsvoller Schulleitertätigkeit trat er in den wohlverdienten Ruhestand. Ehrenvoll wurde er am 7. April 1906 verabschiedet. Aus diesem Anlaß verlieh ihm der seit April 1902 die Regentschaft für das Fürstentum Reuß älterer Linie (Reuß-Greiz) führende Fürst Heinrich XIV. von Reuß jüngerer Linie bzw. Reuß-Gera (1832–1913) den Titel „Geheimer Schulrat“. Das Konsistorium Greiz, die Oberbehörde für Kirchen- und Schulangelegenheiten in Reuß ä. L., sprach ihm hohe Anerkennung aus, die Greizer Stadtverwaltung ließ durch Oberbürgermeister Paul Thomas (1859–1942) die Urkunde des Ehrenbürgerrechtes überreichen und stiftete ein vortreffliches Porträt für die Aula, und das Lehrerkollegium versicherte herzlichste Dankbarkeit und treueste Anhänglichkeit mit Widmung einer großen Standuhr. In seiner Abschiedsrede betonte Berthold Schmidt, daß er gern neuen Männern Platz machen wollte, die das Schulwesen im Sinne der neuen Zeit zu fördern fähig und bereit seien.​

Auch im Ruhestand diente Berthold Schmidt nach wie vor der Allgemeinheit. Wiederholt wurde er zu Lehrerprüfungen herangezogen. Weiterhin förderte er das kirchliche Leben, insbesondere als Vorsitzender der zur Herausgabe eines neuen Gesangbuches tätigen Kommission.​Am 19. Februar 1925 verstarb Berthold Schmidt friedlich in seiner Geburtsstadt Greiz. Drei Tage später fand sein Begräbnis statt.

In einem Nachruf in der Greizer Zeitung vom 7. März 1925 stellte Kreisschulrat Dr. Ludwig Grimm (1869–1938) fachkundig fest: „Vornehm und gerecht wußte der Leiter des Schulwesens bei allen Entscheidungen sich Klarheit des Blickes, Freiheit des Urteils zu wahren. In einer künftigen Geschichte des Greizer Schulwesens wird das Bild des Geheimen Schulrates Berthold Schmidt leuchtend stehen. Weit über seinen Eintritt in den zeitlichen und in den ewigen Ruhestand flammt das Vorbild seines Wirkens und seiner diamantklaren Persönlichkeit.“

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