Greiz Historie – Dr. med. Wichmann und die Mobilität

Arztbesuch anno 1916...​Arztbesuch anno 1916...​

Arztbesuch anno 1916…​

Die wenigen, nur bei begüterten Greizern damals vorhandenen „Automobile“ wurden teilweise für den Kriegsdienst beschlagnahmt. So musste z. B. Dr. med. Georg Wichmann, der seit 1911 einer der ersten Autofahrer in Greiz gewesen war, die mit Hartgummi bereiften Räder seines Autos im Jahr 1916 an das Heer abgeben. Er erhielt dafür Räder aus Eisen, die zur Stoßdämpfung einen auf vielen kleinen Federn ruhenden zweiten Reifen aus Eisen hatten.

Diese Konstruktion konnte sich aber nicht bewähren und führte zu Folgeschäden am Fahrzeug. Für Fahrer solcher Fahrzeuge war es also besser, auf andere Transportmittel umzusteigen.​Diese Tatsache veranlasste auch Dr. med. Wichmann, wieder sein bewährtes kettenloses Fahrrad mit „Kardanantrieb“ zu benutzen. Mit diesem besuchte er dann seine weit verstreut wohnenden Patienten, u. a. auch in Neumühle und Nitschareuth, wo der Besitzer der Gastwirtschaft „Zum grünen Tal“, Herr Karl Wittig sein Patient gewesen ist.​ Herrn Dr. Wichmann sagt man nach, dass er mitunter sehr burschikos und auch grob hätte sein können. Vor allem dann, wenn die Patienten seine Verordnungen nicht oder nur ungenügend befolgten. Andererseits aber war er auch sehr mitfühlend und sozial eingestellt.

Des Öfteren kam es vor, dass er die soziale Not seiner Patienten erkannte und deshalb auf sein Honorar verzichtete. Wenn sogar, wie es damals nicht selten vorkam, eine Anzahl Kinder um das Krankenbett der Mutter oder des Vaters herumstand, ließ er noch einen Zehnmarkschein auf dem Tisch zurück.​ Herr Dr. Wichmann starb am 5. Mai 1927 an einer Lungenentzündung, die er sich als Folge eines Verkehrsunfalles zugezogen hatte.

Von einem Patientenbesuch kommend, fuhr er mit seinem Fahrrad den Irchwitzberg abwärts. An der Ecke Gerichtsstraße kam ihm ein pferdebespanntes Speditionsfahrzeug entgegen, dem er ausweichen wollte. Er bog deshalb nach rechts in Richtung Aubachtaler Bahnhof ein. Um nicht mit der Hausmauer des Lutherhauses zu kollidieren, ließ er sich vom Rad fallen und zog sich beim Sturz auf die Bordsteinkante innere Verletzungen im Brustbereich zu. Gestützt auf sein kaputtes Fahrrad und mit der Hilfe eines Passanten, schleppte er sich nach Hause, in die Idastraße Nr. 7, wo er sich niederlegte und nach einer Woche verstarb.

​​Quelle:Chronik des Deutschen Roten Kreuzes

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