Greiz Historie – Jäger der verlorenen Schätze

Oberes Schloss Greiz um 1607 (Foto: Mit freundlicher Genehmigung K. Schramm, Greiz)

​Es wurde nur wenige Male versucht, sagenhaften Schätzen am Oberen Schloss auf die Spur zu kommen. Schatzgräberwahn oder ernsthafte Vorhaben? Man darf dann aufhorchen, wenn sie von Behörden gebilligt waren.​Der Maurer und Wünschelrutengänger Karl B. aus Gera begann am 3. September 1932 im Keller des Hauses Nr. 7 im Oberen Schloss mit Grabungen, die das Thüringische Kreisamt Greiz und andere Behörden damals genehmigt hatten. Das Kreisamt war des Wünschelrutengängers Absicht gefolgt, den in einer Sage erwähnten Silbersarg zu bergen.

Das Thüringische Landesamt für Denkmalpflege und Heimatschutz in Weimar schloss sich zwar der Genehmigung an, fragte aber, ob die Grabung überhaupt sinnvoll sei! Das Landesamt hätte gern andere Anhaltspunkte als die Sage gesehen. Die Greizer Behörden konnten nur darauf verweisen, dass schon im Jahre 1720 ein Wünschelrutengänger aus Wildenfels in Aktion getreten war. Er musste aufgeben, weil er auf Abwässer stieß. ​Der Geraer Interessent schritt im Herbst 1932 auf eigene Kosten und Gefahr zur Tat! Für diese hatte er Bedingungen zu akzeptieren (z.B. Verfüllen von Hohlräumen), die er im Dezember 1932 schriftlich anerkannte. ​Über die Arbeiten war dem Stadtbaurat zu berichten.

Gefundene Gegenstände, also auch gesuchte Schätze, mußten abgeliefert werden. Für sie gab es nach dem Ausgrabungsgesetz eine Entschädigung. Man hätte für die Schatzsuche auch Gebühren erheben können. Rechtsrat Köhler vom Rechtsamt Greiz empfahl aber davon abzusehen, weil eine solche Ausgrabung ein sehr unsicheres Geschäft sei. Von September 1932 bis Ende Januar 1934 hatte der Rutengänger nach eigenen Angaben 1135 Stunden gearbeitet, für Öl, Lichter (Kerzen), Handwerkszeug, Schuttfuhren, Lohnausfall im Geraer Betrieb, Fahrgeld usw. über 600 RM ausgegeben. Er rechnete damit, den Schatz im Mai 1934 zu heben. Vielversprechende Worte von euphorischer Wirkung! Der Oberbürgermeister schrieb die Randbemerkung: „hochinteressant… bitte mich auf d. lfd. zu halten“. ​

Am Ende des Jahres 1934 berichtete Karl B., daß er im harten Gestein täglich nur 8–10 cm vorangekommen sei, sich nun in 8 m Tiefe genau über dem unterirdischen Gang befinde. Er war überzeugt, an der richtigen Stelle zu graben. Doch am 7. Mai 1935 korrigierte er sich gegenüber dem Stadtbaurat: Seine Grabungen seien bisher „noch“ erfolglos gewesen. Er vermute den Schatz tiefer und außerhalb des Schlosses. Deshalb wollte er jenseits der Gebäudemauern einen Schacht von 80 cm Durchmesser graben. Gegen diese Zieländerung gab es (z.B. vom Thüringischen Kreisamt) keine Einwände, und Baurat Hüfner genehmigte einen Stollen. In der ersten Augusthälfte 1935 untersagte das Thür. Wirtschaftsministerium Weimar weiteres Graben!

Der Schatzsucher wandte sich an die Reichsregierung. Aus Berlin antwortete man abratend. Karl B. schrieb ein weiteres Gesuch nach Berlin. Den Greizer Stadtbaurat ließ er wissen, „mit der Grabung werde ich in diesem Jahr nicht mehr fertig.“ Er wurde es nie. Die Akten schließen ohne irgendwelche Entscheide.

Quellen und Hinweise: Rathausarchiv Greiz B 8247. – Die Grabungen von 1720 und aus den 30er Jahren des 20. Jh. sind erwähnt in „Die Mühle unter der Teufelskanzel“, Greiz 1982.

Anmerkung : Mitte Mai 1995 hatte ein Jugoslawe auf „Eingebung“ eine wilde Grabung am Schloss begonnen. Die Polizei überzeugte ihn, dies sein zu lassen.

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