Greizer Persönlichkeiten und Orginale

​Die Gründung der „Heinrich-Fritz-Stiftung“ (1905)​

Heinrich Fritz sen. war neben seiner Tätigkeit als Fotograf auch Gründer einer Stiftung.​Den „Alte Fritz“ kannten Viele .Hoffotograf Heinrich Fritz sen. (1831-1913) war eine weithin außerordentlich bekannte, hochangesehene regionale Persönlichkeit in und um die ehemalige Fürstliche Residenzstadt Greiz. Er galt als ein großer Förderer der Stadt und der Umgebung wie Neumühle, einer der sich sehr um das Gemeinwohl der Bürger kümmerte. Eine Vielzahl herausragender Verdienste zeichneten ihn aus, weshalb ihm zu Ehren sogar eine Straße – die ehemalige Weststrasse -, wo er mit 27 Jahren sein Fotoatelier im eigenen Wohnhaus einrichtete – in „Heinrich-Fritz-Straße“ umbenannt wurde.​Weniger bekannt ist indes aber, dass auch eine 1905 gegründete Stiftung, gleichfalls ihm zu Ehren, seinen geachteten Namen trägt. Wie kam es nun dazu?​Heinrich Fritz erblickte als Sohn eines Tischlers und einer Köchin in Crispendorf bei Schleiz am 28. April des Jahres 1831 das Licht der Welt und erlernte zunächst den künstlerischen Beruf eines Holzbildhauers. Aber leider konnte er diesen aus gesundheitlichen Gründen nicht für immer ausüben, weshalb er den zu der damaligen Zeit noch tief in den Anfängen steckenden Fotografenberuf autodidaktisch in Reichenbach im Vogtland anstrebte. Wie sich im Nachhinein herausstellte eine ausgesprochen gute Wahl für ihn und seine Nachfahren, begründete er doch damit eine große, hoch angesehene Fotografen-Familiendynastie bis in die Gegenwart über fünf Generationen. Allein das ist ja schon eine große Lebensleistung.​Aber damit nicht genug. Er selbst engagierte sich zu seinen Lebzeiten in vielen verschiedenen Vereinen neben seiner sehr präsenten,​viel beachteten Hauptarbeit der Fotografie. So wurde er 1881 zum Hof-fotografen ernannt, genau wie später auch seine beiden Söhne Heinrich jun. und Albin (1892), die zusammen das Fotoatelier des Vaters übernahmen und erfolgreich weiterführten.Eine dieser fakultativen Nebenaufgaben war sein großes Engagement im Vorstand der von Christian Friedrich Horlbeck 1849 gegründeten „Fortbildungsschule“ in Greiz.​Sein damit verbundenes Ziel war es, unbedingt etwas für die wichtige Qualifikation der jungen Handwerkerlehrlinge in der Region tun zu wollen. Deshalb übte er dann sogar das hochrangige Amt des Vorstandsvorsitzenden ab 1888 aus. Auch in dieser Funktion erwarb er sich großes Ansehen. So entstand und entwickelte sich die Idee aus Anlass seines 50-jährigen Ehejubiläums eine Stiftung, die seinen Namen trug, zu gründen. ​Auf einer hierfür extra anberaumten Vorstandssitzung am 30. Januar 1905 in der Gaststätte „Nürnberger Hof“ in Greiz wurde vom 2. Vorsitzenden, Herrn Baumeister H. P. Hoffmann, unmittelbar nach der Eröffnung und Begrüßung abends 19.15 Uhr darüber informiert, dass der langjährige 1. Vorsitzende im Folgemonat, am 18. Februar des Jahres, sein goldenes Ehejubiläum begehen würde. In diesem Zusammenhang warf er die Frage zur Diskussion auf, ob es nicht angezeigt sei, aus diesem Anlass Herrn Hoffotografen Heinrich Fritz eine besondere Ehre zuteil werden zu lassen. ​Der Schriftführer des Protokolls der Vorstandssitzung, Herr Schürer, teilte mit, daß der Gewerbeverein zu dieser Frage dahingehend Stellung bezogen habe, einen angemessenen Geldbetrag aus der Vereinskasse zur Gründung einer Stiftung mit seinem Namen ins Leben zu rufen. So solle der Name des Hoffotografen Heinrich Fritz fortleben. Zudem sei der Gewerbeverein weiterhin der Meinung, dass auch die anderen Vereine, denen der Jubilar tätig angehört, etwas beitragen könnten.​Alle Anwesenden der Vorstandssitzung kamen überein, einen Beitrag in Höhe von insgesamt 300 Mark aus dem „Legatenfonds“ (ehemalige „Horlbeckstiftung“) zu bewilligen. Dies aber mit der Maßgabe, mit allen anderen Vereinen in Kontakt zu treten, um weitere Beteiligungen an der „Heinrich-Fritz-Stiftung“ zu erreichen.​Allerdings würde auch bei einer Ablehnung der anderen Vereine die Gründung auf jeden Fall erfolgen, um ihm eine besondere Ehre zu widmen mit dem Ziel, die Zinsen des Kapitals zu 9/10 für die besten Schüler der Fortbildungsschule einzusetzen. ​Gleichzeitig wurde in dieser Vorstandssitzung einhellig beschlossen,​dem hochverehrten Jubelpaar ein besonderes Blumenarrangement imWert von 25 Mark durch den 2. Vorsitzenden des Vorstands und den Direktor der Fortbildungsschule überbringen zu lassen.​Zu dieser Stiftung steuerte die Stadt Greiz 500 Mark, der Gewerbeverein, die „Handwerker-Fortbildungsschule“ und die „Spar- und Vorschussbank“ je 300 Mark, der „Gesangsverein Liedertafel“, der„Verschönerungsverein Neumühle“, die Turnerschaft und die „Bodenkreditbank“ je 100 Mark bei, wodurch insgesamt 1800 Mark zusammen kamen. Außerdem beteiligten sich auch Privatpersonen, so das die Höhe nochmal auf letztendlich 2091 Mark anstieg. Die Stiftungsurkunde wurde am Tag des Jubiläums vom Oberbürgermeister derStadt Greiz, Herrn Thomas, persönlich an Hoffotograf Heinrich Fritz überreicht.​Die Stiftungsurkunde, datiert vom 18. Februar des Jahres 1905, bestimmte in ihrer Satzung, dass der Gemeindevorstand der FürstlichenResidenzstadt Greiz würdigen Schülern der „Handwerker-Fortbildungsschule“ in Greiz oder der an deren Stelle zu tretenden Institu-tion Unterstützung während des Besuchs dieser Schule oder nach Verlassen derselben zur Ermöglichung des Besuchs einer höheren Fach oder Gewerbeschule gewährt.​Ein Protokoll einer Vorstandssitzung, z. B. vom 13. April 1907, verrät, dass Heinrich Fritz selbst als Vorstandsvorsitzender der „Fortbil-dungsschule“ satzungsgemäß Bericht über den Stand der Stiftung zu erstatten habe. Da betrug das Stiftungsvermögen 2213,90 Mark, die Zinsen 87,10 Mark, wovon 1/10 8,71 Mark dem Kapital zugeschlagen wurde. Von den restlichen Zinsen 78,39 Mark sind drei Bücher mit dem Titel „Aufwärts aus eigener Kraft“ als Prämien für die besten Schüler angekauft und der Betrag von 50 Mark für den MalerlehrlingCurt Schmidt als Zuschuss für den Besuch der Kunstschule in Erfurt überwiesen worden.​Gute acht Jahre lang hat Heinrich Fritz sen. seine nach ihm benannte Stiftung noch miterleben und auch selbst als Entscheider nutzen dürfen bis er am 26. März 1913 in Greiz im Alter von fast 82 Jahren„zum großen Betrübnis für alle“ verstarb.

Kommentar hinterlassen zu "Greizer Persönlichkeiten und Orginale"

Hinterlasse einen Kommentar