Schulschließung in Hohenleuben- von Knall auf Fall?

Der Schulstandort Hohenleuben steht offenbar kurzfristig vor der Schließung (Foto: HBV/mhü)

Vorgehen des Landratsamtes Greiz löst Irritationen und Empörung aus. Leserbrief einer betroffenen Oma.

(Hohenleuben/ LK Greiz). Die Wellschlagen hoch, Seit dieser Woche erhärtet sich das bisherige Gerücht, dass die Grundschule Hohenleuben in der Karl-Marx-Straße 7 (sehr) kurzfristig geschlossen werden soll. Wenige Wochen vor Ende des Schuljahres soll den Schulkindern (und natürlich deren Familien) urplötzlich eine Schließung der Schule und ein Umzug nach Weida zugemutet werden. Das Landratsamt bestätigte den Sachverhalt durch eine Pressemitteilung (zu finden hier), wobei man aber nichts von einer dauerhaften Schließung wissen will.

Dieses Vorgehen des Landratsamtes Greiz unter Leitung von Landrat Dr. Ulli Schäfer (CDU) stößt bei den Betroffenen (zu denen auch die Lehrer, Schulleiterin und die Bürgermeisterin von Hohenleuben gehören) auf Irritationen und Empörung. Eine Oma, deren Enkel von dieser Maßnahme betroffen wäre, übersandte uns folgenden Leserbrief:

Hallo an alle die unsere Politik nicht mehr verstehen und ertragen können. Ich spreche hier jetzt als betroffene Oma. Heute erhielt ich einen aufgeregten Anruf von meinem Sohn . Er und seine Familie wohnen in der Wildentaube. Mein Enkel kommt dieses Jahr in die Schule. Er sollte eigentlich nach Hohenleuben. Es gab eine Elternversammlung und einen Besuch der Kinder in der Schule. Bis dahin alles ok . Doch heute kam ein Brief , dass die Schule kurzfristig schließen soll. Eine Versammlung gibt es dann am 22.6. Begründung Baumaßnahmen . Eine Bekannte rief gleich im Bauamt an. Dort weiß niemand etwas von Baumaßnahmen. Das Landratsamt wird hier in Greiz für wer weiß wie viel Gelder saniert und für unsere Kinder bleibt nichts. Es ist schon lange bekannt, dass die Schulen in maroden Zuständen sind und keiner macht was. Lieber Landrat ihr sitzt in feinen Räumen und habt null und nichts für die ,die unsere Zukunft seien sollen übrig. Schämt euch in Grund und Boden dafür. Ihr bezieht eure Gelder vom Volk und nicht vom Esel , das vergesst ihr ständig. Kümmert euch um die Schule , das sie im neuen Schuljahr noch existiert.

Empörter Leserbrief zur Schulschließung Hohenleuben

Auch die ehrenamtliche Bürgermeisterin von Hohenleuben und Brückla, Stefanie Soch, äußert sich als Mutter tief betroffen.

Sie schreibt auf ihrem Facebook-Profil:

Heute schreibe ich diese Zeilen nicht nur als Bürgermeisterin von Hohenleuben, sondern vor allem als Mutter.

Viele Eltern, Großeltern und Kinder sind traurig, wütend, enttäuscht und voller Sorgen. Und ich kann diese Gefühle nicht nur nachvollziehen – ich kenne sie. Vor sechs Jahren stand ich selbst in einer ähnlichen Situation. Deshalb weiß ich, wie es sich anfühlt, wenn die Zukunft der eigenen Kinder plötzlich unsicher wird.

Nach den Sommerferien soll unsere Grundschule aufgrund baulicher Mängel in den Schulcampus nach Weida ausgelagert werden. Für manche mag das nur eine organisatorische Entscheidung sein. Für uns in Hohenleuben ist es viel mehr.

Besonders schwer fällt es mir zu akzeptieren, dass die baulichen Mängel nicht plötzlich aufgetreten sind. Die Probleme waren den Verantwortlichen seit Jahren bekannt. Seit Jahren war bekannt, dass Handlungsbedarf besteht. Seit Jahren wurde auf die Situation hingewiesen. Umso unverständlicher ist es für viele Eltern und Bürger, dass nun scheinbar nur noch die Auslagerung als Lösung bleibt – und unsere Kinder die Konsequenzen tragen müssen.

Sechs lange Jahre haben wir als Eltern, Bürgerinnen und Bürger, Vereine und Stadt für den Erhalt unserer Grundschule gekämpft. Wir haben gehofft, diskutiert, investiert und immer wieder für unseren Standort eingestanden. Und nun stehen wir vor der Frage:

Wie soll das Leben in unserer Stadt ohne Grundschule aussehen?

Wie wird der 11.11. sein? Still. Kein fröhlicher Faschingsbeginn mit unseren Grundschülern.

Wie wird es im Waldbad sein? Wie in der Turnhalle? Wie auf unseren Veranstaltungen?

Wer kommt künftig zu meiner Politikstunde ins Rathaus und stellt die ehrlichen, neugierigen Fragen, die nur Kinder stellen können?

Wem bringt unser Hase LIKo zu Ostern die Eier? Wem der Nikolaus die Schokolade?

Eine Grundschule ist nicht nur ein Gebäude. Sie ist Leben. Sie ist Lachen. Sie ist Zukunft. Sie ist das Herz unserer Stadt.

Erst vor Kurzem wurde der Schulhof saniert. Dort steht die große Kletternetzspinne, auf die die Kinder so stolz sind. Es gibt einen neuen Schulgarten und einen neuen Schuppen. Was wird daraus? Wer wird sie nutzen?

Kurze Beine sollten kurze Wege haben. Kinder gehören in ihre Heimatorte und nicht jeden Morgen für lange Fahrten in den Bus. Den ländlichen Raum zu stärken, sieht für mich anders aus.

Seit Jahren geht es in den Diskussionen vor allem um Zahlen, Kapazitäten und Statistiken. Viel zu selten geht es um das, worum es eigentlich gehen sollte: um unsere Kinder und ihr Wohl.

Für mich persönlich ist diese Entwicklung ein Schlag ins Gesicht.

Jahr für Jahr steigt die Schulumlage. Jahr für Jahr haben wir unseren Beitrag geleistet. Und wofür? Dafür, dass in unsere Grundschule über Jahre hinweg nicht ausreichend investiert wurde? Dafür, dass bekannte bauliche Probleme nicht rechtzeitig behoben wurden? Dafür, dass man uns nun das Wichtigste nimmt?

Heute bin ich traurig. Traurig über eine Entwicklung, die viele Menschen fassungslos zurücklässt. Traurig darüber, dass Entscheidungen, die das Leben unserer Kinder und Familien so tiefgreifend verändern, offenbar erst getroffen werden, wenn es kaum noch Alternativen gibt.

Denn mit einer Grundschule verliert man nicht nur Unterrichtsräume.

Man verliert ein Stück Identität.

Man verliert ein Stück Zukunft.

Man verliert ein Stück Gemeinschaft.

Man verliert ein Stück Herz.

Hier wird uns das Wichtigste genommen: unsere Kinder, unsere Zukunft, unsere Grundschule.

Und genau deshalb werde ich weiterhin für unsere Kinder, unsere Familien und unseren Schulstandort kämpfen.

Hohenleuben darf nicht still werden.

Hohenleuben darf seine Zukunft nicht verlieren.

Selbstverständlich stehe ich gerne jederzeit für Gespräche zur Verfügung 😔

Klare Worte. Es muss ein harter Schlag in´s Kontor für die Bürgermeisterin sein.

Auch AfD-Kreisrat Olaf Ebert (Mitglied des Schulausschusses) findet bei Facebook sehr klare Worte:

Ich bedanke mich für diese „Vorlage“ des HBV, um darauf zu reagieren.

1. Es stimmt, dass die Grundschule Hohenleuben „ausgelagert“ wird und die 4 Klassen mit insgesamt 76 Schülerinnen und Schülern an den Campus Standort nach Weida umziehen sollen. Dazu gibt es wohl auch Abstimmungen zum Schülerverkehr.

Hier sei mir die Bemerkung erlaubt, dass es den ureigenen „Schulbus Verkehr“ n.m.I. so nicht mehr gibt, sondern zahlreiche Busse im Linienverkehr laufen,also auch normale zahlende Fahrgäste diese Busse mit nutzen(können)

Dennoch bleibt auf dem Papier der Schulstandort Hohenleuben!

Was sich als angeblich kurzfristige Entscheidung dargestellt wird, ist eine längere Odysee aus Drohungen und leeren Versprechungen.

2. Es ist wahrheitsgetreu richtig, dass die Mitglieder d.Ausschuss Schule Kultur Sport des Kreistages erst gestern, ca.17:15 Uhr vor vollendete Tatsachen gestellt wurden.

3. Zwei Mitglieder des Ausschusses, Stadt-&Kreisrat Frank Pietschmann und ich, machten unserem Unmut Luft und mussten feststellen, dass die Kreisverwaltung den Eindruck erwecken wollte, daß wir plötzlich und unerwartet vor einem unlösbaren Problem stehen würden. Dem ist keineswegs so.

4. Einige sehr konkrete Nachfragen unsererseits brachten etwas Licht ins Dunkel und man kann mit Fug und Recht behaupten, dass das ganze Drama schon länger als nur eine Woche bekannt ist. Behörden Mühlen arbeiten schon, meist langsam, weil keiner so gern Verantwortung übernehmen möchte, die öffentlichkeitswirksam werden.

Man wusste um die Situation in Hohenleuben, seit der im HBV so trefflich beschriebenen Situation wegen des geplante Rechenzentrums, welches nun in Seelingstädt sehr gut aufgehoben ist. Die Elterschaft hat sich damals stark für ihre Schule engagiert und ich war Teil der Kommunalpolitiker, die schon damals an der Seite der Eltern standen. Leider sind unsere damaligen Befürchtungen eingetroffen und die Hoffnung auf einen anderen Arbeitsstil im Landratsamt nach dem „Machtwechsel“ hat sich schnell in Wohlgefallen aufgelöst.

5. Wir können den Eltern versichern,daß wir im o.g.Ausschuss als auch im Kreistag weiter für den Erhalt des Schulstandortes Hohenleuben kämpfen werden. Wir werden es der Kreisverwaltung nicht durchgehen lassen, den Weg des geringsten Widerstands und der billigsten Lösung zu gehen!

6. Der Fisch fängt vom Kopf her an zu stinken! Die Bundespolitik verjubelt Milliarden und die aktuell agierenden Landespolitiker, die mehr durch krude Ideen als durch Sachpolitik von sich reden machen, sind schuld, das die Kommunen mit immer weniger Finanzmitteln ausgestattet werden.

7. Auch die aktuell geburtenschwachen Jahrgänge sind das Ergebnis Jahrzehnte andauernder verfehlten Familienpolitik! Dieser Entwicklung nun mit Schulschliessungen entgegen zu wirken, ist komplett falsch. In den Kita möchte man am liebsten 1 zu 1 Betreuung und schraubt am Betreuungsschlüssel in die falsche Richtung und kommen die Kids aus ihrer Wohlfühlzone der Kita in die Grundschule, werden sie in einer Klassenstärke von 25 einem psychologisch unverantwortlichen Druck ausgesetzt. Das ist wie Schwimmen lernen in einem Haifischbecken.

Ich habe selbst aktuell ein Schulkind, ab 2027 zwei Schulkinder. Mit mir als Gemeinderat und Kreisrat sind keine Kita und Schulschliessungen zu machen! Ohne meine Zustimmung! Nicht wir als Eltern müssen uns anpassen ! Die Politik muss sich grundlegend ändern!

Insgesamt dürfte das Thema noch für harte Diskussionen auch im Kreistag sorgen. Die CDU setzt auf das Vergessen der Wähler und scheint sich sicher zu sein, trotz erneuter Schulschließungspläne auch bei der nächsten Wahl als Sieger dazustehen?

Kommentar:

Zum Hintergrund konnte die HBV-Redaktion bisher folgendes recherchieren:

Die Schule Hohenleuben steht nach wie vor in der Schulnetzplanung drin, aber wohl seit längerem auf der „Abschussliste.“ Denn schon Ex-Landrätin Martina Schweinsburg (CDU, wohnhaft in Auma) hatte jedwede notwendige Investitionsmaßnahmen aufgegeben, nachdem ihr Wunsch auf Schließung (zugunsten der Nachnutzung der Immobilie als Kreis-Rechenzentrum) keine politischen Mehrheiten gefunden hatte. Nun sollen „urplötzlich“ schwere Sicherheitsmängel bei der elektrotechnischen Anlage des Gebäudes aufgetreten sein.

Der Schuleingang in Hohenleuben von vorn

In unserer Redaktion gibt es gelernte Elektriker. „Urplötzlich“ wäre korrekt, wenn es dort einen Kabelbrand gegeben hätte. Davon ist nichts bekannt. Eine jahrelange Vernachlässigung der Gebäudeinfrastruktur ist aber nicht „plötzlich“- sondern gewollt. Die Schutzmaßnahme Nullung (TNC-Netz) war zum Zeitpunkt der Gebäuderrichtung Stand der Technik. Für elektrotechnische (Elt) Anlagen gibt es Bestandsschutz. Erst bei Eingriffen in diese müssen Nachrüstungen bezüglich FI-/RCD- Schalter oder Überspannungsschutz erfolgen. Solche Nachrüstungen sind tägliches Handwerk von Elektromeistern. Und die in Politikerkreises kursierenden Investsumme von Millionen ist wohl eher das „Panikkommando“. Oder ein schlechter Witz. Denn bei seinem Landratsamt „zauberte“ der Landrat auch plötzlich enorme Summe für Abriss und Neubau des „maroden Gebäudes“ aus dem Kreishaushalt hervor. Frei nach dem Motto: „Wo ein Wille ist, ist auch ein Gebüsch. Oder eine Haushaltsstelle.“

Landrat Dr. Ulli Schäfer (CDU, wohnhaft in Münchenbernsdorf) forciert wohl einen Schulcampus in seiner Heimatstadt sowie den Ausbau des Schulstandortes Weida. Angesichts sinkender Schülerzahlen wird hinter verschlossenen Türen über die Aufgabe von Schulstandorten in Gera diskutiert und möglicherweise auch bereits verhandelt. Glaubt man der Gerüchteküche in Zeulenroda-Triebes (ZR-TR), soll der dortigen Bürgermeisterin ebenfalls ein Angebot zur Übernahme der dortigen Schulen gemacht worden sein. Der Effekt ist simpel: Gehören die Schulen nicht mehr (wie bisher) der Stadt ZR-TR, fallen sie dem Landkreis zu. Der kann aus „Kapazitätsgründen“ (dann im Gesamtportfolio Landkreis) noch ganz andere Schulen schließen.

Urplötzlich erinnern sich Kommunalpolitiker nicht mehr an ihre Programme mit Wahlslogans wie „Kurze Beine, kurze Wege.“ Es rechnet auch niemand die Mehrkosten für den Schulbusverkehr gegen, wo der Landkreis immer wieder zuschießen muss. Es ist nicht die erste Schulschließeung der Kreis-CDU (Greiz, Wildetaube und viele mehr). Vermutlich aber auch nicht die letzte- alles „alternativlos“. Denn nirgendwo wird über Alternativen (z.B. eine freie Schule) überhaupt nachgedacht. Das diese zunehmend nachgefragt werden, beweisen in Greiz die Elstertalschule und in Reudnitz die Öko-Schule.

Wie schon bei den Kinder- und Geburtsstationen in den Krankenhäusern zeigt die Politik von CDU und SPD, was ihnen die Kleinsten für die Zukunft dieses Landes wert sind: nichts. Radwege in Peru oder Fördermittel für China (!) und Indien sind ihnen offenbar wichtiger als die inländische Infrastruktur. Zu denen nicht nur Brücken und Straßen, sondern auch und besonders die Bildungsstruktur gehört!

Sicher gibt es jetzt wieder Menschen mit schlauen Sprüchen wie „Selbst gewähltes Elend!“ Ganz falsch ist das nicht, eher sehr zugespitzt. Tatsächlich hat der Wähler Kurskorrekturen in der Hand. Wenn er nicht vor der Wahl gnadenlos belogen werden würde. Die Bundeskanzler und Mandatsträger werfen aktuell mit Strafanzeigen („Majestäts“beleidigung nach § 188 StGB) um sich, wenn sie als das bezeichnet werden, was sie sind: Lügner. Die Justiz (Justizminister, weisungsgebundene Staatsanwälte und willfährige Richter) macht dabei brav mit.

Wie war das noch mal mit der „Diktatur“ unter Putin, Orban, Erdogan bezüglich Unterdrückung einer freien Meinungsäußerung?

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