
Das wohl bekannteste Greizer Original seiner Zeit …“Der Schöne Willy“
Viele Greizer werden sich erinnern, dass zumGreizer Stadtbild der 60er und 70er Jahre desvergangenen Jh. eine Erscheinung gehörte, diedurch ihr Äußeres die Aufmerksamkeit der Passanten auf sich zog . Dabei meist freundlich lächelnd, ertrug der „schöne Willy“ auch Hänseleien, besonders von der Jugend und nur selten setzte er sich verbal zur Wehr oder unterstrich dieses durch Einsatz seines Regenschirms. Am 25.07.1900 im sächsischen Schöneckgeboren, wurde Willy Deumer noch kurz vor Kriegsende eingezogen. Aus dem Krieg heimgekehrt, nahm er eine Arbeit als Bergbauarbeiter in Auerbach an, bevor er in die Schiefer-gruben nach Tschirma kam. Zu Ende der 20erJahre heiratete er die fünf Jahre jüngere Helene geb. Roth. Aus der Ehe gingen zwei Töchter hervor. In den Jahren 1935/36 errichtete er für seineFamilie das Haus Neuschenke Nr. 25. Dabeilegte er weitestgehend selbst Hand an. Als Material verwendete er sicher aus Kostengründen, aber auch wegen der Festigkeit, in den Fundamenten Feldsteine, die er mit dem Handwagen auf den umliegenden Ackern zusammentrug. Für diesen Hausbau entwickelte er auch Geräte, die mit einfachen Mitteln ihre Funktionsfähigkeit unter Beweis stellten. So baute er eine mit dem Alter und der Krankheit der Frau eine Nähmaschine zur Kreissäge um, die mit Muskelkraft betrieben wurde . Geräte wie Meisel, Hacken und Schaufeln mussten nach seinen Anweisungen vom Neugernsdorfer Schmied gefertigt werden. Auch seine Fotoleidenschaft war bekannt. So entwickelte er die Filme selbst und legte die Abzüge zum Trocknen auf eine Glasscheibe im Garten. Damit entstanden Hochglanzfotos à la Willy.Schon in dieser Zeit gefiel es Willy, wenn er Menschen erheitern konnte. Sei es während der Faschingszeit auf dem Tanzsaal in Wildetaube, wo er als Hahn im selbstgefertigten Federkostüm oder als rollschuhlaufende Diva das Publikum unterhielt, oder sei es durch Verkleidungen verschiedenster Art, die im Fotoalbum festgehalten wurden.In den Schiefergruben qualifizierte sich Willy zum Mühlstein-Schleifer. Durch die anhaltende Lärmbelastung verlor er aber weitestgehend das Gehör und auf dem linken Ohr war er fast gänzlich taub. Das führte dazu, dass er sich mit seiner Frau, die auf Grund einer Krankheit später an die Wohnung gebunden blieb, zurückzog. Seine Erkrankung hatte zur frühzeitigen Verrentung geführt.In dieser Zeit entwickelte sich seine Neigung, in Frauenkleidern zu leben, wohl auch eine transsexuell gesteuerte Veranlagung. Bekannten begründete er seine „Verwandlung“ mit folgenden Worten: „Wenn die Lene sich nicht mehr schön machen kann, muss ich eben schön sein.“ Seine Frauenkleider musste er sich auf der Nähmaschine selbst nähen, da er wegen der körperlichen Fülle seiner Frau deren Bekleidung nicht oder nur in abgeänderter Form „nachnutzen“ konnte. Von da an gehörte er zum festen Straßenbild in Greiz, oft auch in Reichenbach oder Plauen. Wochentags war er im „Café Ambach“ in der Schlossbergstraße anzutreffen, Sonntags fast regelmäßig im Café der HO-Gaststätte „Goethepark“, dort natürlich im Sonntagsanzug. Ob mit Kurz- oder Langhaarperücke, ob mit Dutt und glattgekämmt, ob mit Sonnenschirm auf der Friedensbrücke, ob mit seinen feinen Handtaschen im Magnet Kaufhaus einkaufend – Willy war immer der Hingucker. Im Winter sah man ihn mit kurzem Röckchen auf dem Greizer Parksee Eislaufend, im Sommer im Bikini Heuwendend im Garten bei seinem Haus. Zum jährlichen Höhepunkt gestalteten sich die drei tollen Tage der Fastnacht. Früh noch im Dunkeln ging es nach Greiz oder in die Nachbarstädte und erst spät abends traf Willy wieder in seinem Haus ein. Täglich trat er in einem anderen Kostüm zu den Fastnachtsveranstaltungen auf… in Kostümen, die für Ihn eigentlich keine waren. Auf seine Art lebte er so in seiner eigene Welt… zurückgezogen, aber wohl glücklich. Im Jahr 1976 verstarb seine Frau, doch hatte wegen deren Krankheit Willy bereits vorher den Haushalt selbst führen müssen. Kurz vor seinem Tod verschlechterte sich sein Gesundheitszustand und er konnte kaum noch das Haus verlassen. Am 28.11.1980 verstarb er nach kurzem Aufenthalt im GreizerPflegeheim ,,Anna Seghers….





( Irrt.Vorb)
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