Die „Nässa“: Ein unpassierbarer Wald?

Besorgte Bürger diskutieren die Lage in der "Nässa" (Foto: HBV/trö/grz)

Einwohner sind stocksauer auf das Forstamt Weida wegen Zerstörung der Waldwege und auch von Wasserquellen

(Mehla/ LK Greiz). Besucher der „Nässa“, einem Waldgebiet zwischen Mehla und Neuärgernis, sollten starke Nerven und gutes Schuhwerk (am besten Gummistiefel) zum Wandern mitnehmen. Einwohner der Gemeinden Triebes, Mehla, Neuärgernis und Langenwetzendorf sind auf das Forstamt Weida stocksauer. Aufgrund der Holzernte sind dort die Forstwege „zerrammelt“ und bilden egal in welche Richtung nur noch Schlammpfade.

Das allein ist schlecht genug. Jedoch wurden mit den neu gebildeten „Rückegassen“ auch bestehende Wasserquellen zerstört. Das wiederum kann durchaus Auswirkungen nicht nur direkt auf den Wald haben. Sondern auch auf den Grundwasserspiegel bzw. die Wasserversorgung der umliegenden Gemeinden. Darüber hatte bereits die Tageszeitung Ostthüringer Zeitung (OTZ) berichtet, als sich Bürgermeister und Ortsteilbürgermeister völlig entsetzt ein Bild der Lage machten.

Geht es dem Forstamt nur um´s Geld? Der Wald hat drei Funktionen, nicht nur eine wirtschaftliche.

Die „Nässa“ ist ein sogenannter Staatsforst im Sinne des § 4 Nr. 3 Thüringer Waldgesetz (ThürWaldG). Bewirtschaftet vom ThüringenForst, einer Anstalt des öffentlichen Rechts. Nach diesem Gesetz dient der Wald drei Funktionen, wie aus dem Screenshot ersichtlich ist:

Funktionen des Waldes gemäß Waldgesetz. (Screenshot: wald-prinz.de)

Besorgte Bürger aus Langenwetzendorf, Mehla und Triebes trafen sich mitten im Waldgebiet, um sich vor Ort selbst ein Bild zu machen. Sie waren fassungslos. Was sie sahen, übertraf ihre schlimmsten Erwartungen.

Dieses Zerstörungswerk hat nichts mit sorgsamer Holzwirtschaft, nichts mit dem Schutz von Lebensraum und schon gar nichts mit günstiger Wirkung auf Klima, Boden und Wasserhaushalt zu tun. Von fehlender Erholung für die Bevölkerung gar nicht zu reden. Da muss ich wohl mein Programm in vogtländischer Mundart umschreiben. Von schönen Wäldern im Vogtland kann hier keine Rede mehr sein.“ D´r klane Kriebel

Das beauftragte Forstunternehmen scheint auf den gesetzlichen Dreiklang der Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktion nicht viel Wert zu legen. Wie sieht es mit dem Forstamt Weida aus? Steht wirklich Geld verdienen im Vordergrund? Denn dann geht es um jeden Festmeter Stammholz. Hinter dem abgestellten Harvester konnte man zumindest noch erahnen, wie der Waldweg vor dessen Einsatz einmal aussah.

Im Bild hinter dem Harvester ist der Waldweg noch grün, unversehrt und begehbar.

Gegenüber der OTZ-Redaktion hatte sich Forstamtsleiter Karsten Schröder unbeeindruckt von der Zerstörungen gezeigt. Nach dessen Auffassung seien derartige Auswirkungen bei der Holzernte unvermeidbar. Außerdem habe man auch von der Umwelt- und Wasserschutzbehörde „Absolution“ erhalten. Von dort habe es nämlich keine Beanstandungen gegeben. Die HBV-Redaktion wird dazu noch eigene Recherchen starten.

Seltsam, wenn selbst die Warnhinweise des Revierförsters an neuen Rückegassen ignoriert werden. Dort befindliche Quellen sind nun zerstört worden.

Seitens des Revierförsters wurden die Rückegasse (weißer Ring) klar mit einem Warnsignal (rot) gekennzeichnet. Das nützte der Quelle jedoch auch nichts mehr- sie wurde rücksichtlos „zerrammelt“:
Die Quelle ist „hin“
Der Text ist ein bisschen wie Hohn in der Tüte.

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