
Als vor längerer Zeit auf dem Gelände des Waisenhauses im heutigen Greizer Ortsteil Obergrochlitz das Fundament für den Neubau eines Wohnhauses ausgehoben wurde, legte man ein weit älteres Mauerfundament frei. Es war das, auf dem im vergangenen 19. Jahrhundert noch die einstige sogenannte „Ziegelhütte“ von Obergrochlitz gestanden hatte. Nur noch wenige Obergrochlitzer Einwohner können sich vielleicht daran erinnern, denn sie wurde bereits Anfang der 90er Jahre, also vor der Jahrhundertwende abgebrochen.
Es war ein alter, fast scheunenartiger Bau, nach dessen Abbruch dazumal der „Schleußen“ Wirt das Material zum Bau von Merbolds Scheune auf Moschwitzer Flur, wie diese heute noch steht, verwendete. Aber auch bei der sog. „Baske“ (Flurname, zwischen den Ortsteilen Caselwitz und Moschwitz) stand in längst vergangenen Zeiten eine ähnliche Ziegelei. Heute kann man nur noch feststellen, wo der Lehm für ihre Produktion entnommen wurde; heißt doch der Weg, den die Werktätigen von und zu ihrer Arbeitsstätte benutzen, heute noch in Obergrochlitz der „Zieglersweg“.In der „Alten Gasse“ stehen im Ortsteil die ersten und ältesten Häuser. Dort wohnten damals die sog. „Häußlinge“, die armen Landarbeiter vom Kammergut Obergrochlitz, zu dem die Ziegelei gehörte. Dieseswar bis 1918 Eigentum des Greizer Fürstenhauses.Man sollte sich daher auch bei der Betrachtung eines solchen Zeugen aus vergangenen Zeiten in unserer Heimat dar-über Gedanken machen, wie die sozialen Verhältnisse der Arbeiter einer Ziegelei von damals aussahen, unter welch‘ schlechten Bedingungen die Ziegeleiarbeiter und Häußlinge“ schuften mussten und wie karg ihre Entlohnung gewesen war. Dann sehen die oft gerühmten „guten alten Zeiten“ ganz, ganz anders aus! 😊
