Greiz Historie

​Dieses Foto von Heinrich Fritz kann etwa auf Anfang 1900 Jahrhunderts datiert werden. Es führt den Betrachter in die Leonhardtstraße in Greiz, unterhalb des Parkausganges. Das rechte der beiden Anwesen ist die ehem. Gaststätte „Hirschstein“, auf deren lange Geschichte und bauliche Veränderungen nicht eingegangen werden kann. So muß es hier offen bleiben, wieso die Anfänge der frühesten Einkehrstätte nicht im heutigen Grundstück Leonhardtstraße 60 liegen sollen, sondern in einem am Laagweg und weshalb damals Brunnen und Bierkeller gar im Nachbargrundstück angelegt wurden( vielleicht gibt es ja im hoffentlich bald herauskommenden Buch von Gerd Elmar König über die Greizer Gasthäuser mehr Infos). Übrigens hieß bis in die 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts das Gelände um den „Hirschstein“ herum „Am Leonhardtsberg“ oder „Leonhardtsberg“.​Interessant, und für manchen Heimatfreund völlig neu, ist die Namensfolge des gastlichen Hauses: In seinen Anfängen soll es „Ziegelwirtshaus“ geheißen haben. Für 1873 ist es „Am Leonhardtsberg 138a“ nachweisbar als „Restauration zum Ringk“. Franz Trömel, der Wirt, empfahl damals seine „neu eingerichteten Sommer- und Winterlocalitäten zur gefälligen Beachtung“. 1878/79 ist er zugleich als Ziegeleibesitzer aufgeführt. Bis zum Ende der 1870er Jahre hatte Trömels Name auch für die Gaststätte Gebrauch gefunden; man sprach nicht mehr von der „Restauration zum Ringk“. Offiziell wurde geraten, den Weg zum Hirschsteinfelsen „am besten in der Trömel’schen Restauration“ zu erfragen. Erst später kam der Name „Hirschstein“ für das Lokal auf. Nicht ohne erläuternde Absicht schrieb man 1885 „Hotel zum Hirschstein, früher Trömel“. (Trömel hatte das Gasthaus am Topfmarkt 49 –später „Ratsstübl“,danach Eiscafe Doimo – übernommen.) Mitte der 80er Jahre hieß der „Hirschstein“-Wirt Schuster. Ihm folgte Franz Haß, etwa 1903 Reinhard Opitz. Seit 1913 ist Walter Ullmann bekannt. Bemerkenswert waren die Annoncen jener Zeit. 1908 bot das „Restaurant und Café Hirschstein“ als Spezialität alkoholfreie Getränke an. Besitzer Ullmann offerierte 1925 : „Sommerfrische, Restaurant und Café Hirschstein am Park … ca. 400 Personen fassend“, großer Garten mit Veranda, warme und kalte Speisen, komfortabel eingerichtete Fremdenzimmer, Saal mit Bühne und Pianino!​Seit 1934 führte Hermann Schmidt den „Hirschstein“; bei ihm konnte man noch Ende der 40er Jahre einkehren. Leider verblaßte der Glanz der alten Ausflugsgaststätte immer mehr. Dem Gaststättenbetrieb folgte zu DDR-Zeiten unterschiedliche industrielle Nutzung (Glasfliesen-Produktion, Lager von „Interform“). Seit der Wende war es nicht nur ganz still, sondern auch völlig öde im ehemaligen „Hirschstein“ …bis es vor ein paar Jahren letztendlich den Flammen zum Opfer fiel….​

Das linke Gebäude im Foto, auffallend durch seine zwei Türmchen, ist ein Wohnhaus und wesentlich jünger als der „Hirschstein“. Kommerzienrat Paul Arnold hatte es als Sommervilla bauen lassen; 1905 finden wir es erstmals im Adressbuch. Als Eigentümer folgten dem Kommerzienrat in den 30er Jahren seine Erben, in den letzten Jahrzehnten andere Privatpersonen. Bei der Anlage des parkähnlichen Gartens soll Parkdirektor Reinecken seine Hand im Spiele gehabt haben…..

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