Artikel in der Zeitung „WELT“ spiegelt die Vollkasko-Mentalität der Deutschen vernichtend wider
(Tel Aviv/ Greiz). Ja, der Heimatbote Vogtland (HBV)“ berichtet primär aus unserer Heimat, dem sächsischen und thüringischen Vogtland. Können wir es uns deswegen leisten, nicht mehr über den Tellerrand zu schauen? Sind wir ein/e kleine/s gallisches Dorf/ Region? Da wo man sich wie Asterix und Obelix gegen die römischen Legionen stellten – und das auch noch erfolgreich? Nein, sind wir nicht.
Wir leben in einer globalen Welt mit globalen Herausforderungen. Mit immer zahlreicheren Konflikten. In denen es mitnichten um Menschen oder Werte oder gar die „Demokratie“ geht. Sondern immer nur um geostrategische Überlegungen, um Geld, Bodenschätze und andere Ressourcen. Diese Konflikte können schneller auch über uns hereinbrechen, als uns lieb ist. Die Menschen im Iran oder auch in Israel erleben dies quasi täglich.
WELT-Schlagzeile: Das Problem in Deutschland ist nicht nur militärisch. Es ist auch kulturell.
Für die Zeitung „Welt“ arbeitet auch die Autorin Mirna Funk. Sie lebt und arbeitet in Israel, konkret in der Hauptstadt Tel Aviv. Mirna Funk gibt uns in ihren Artikel (Link) mit der o.g. Schlagzeile einen Einblick, was im sogenannten „Nahen Osten“ (und das „nah“ sollte uns alle nachdenklich machen) aktuell wirklich abgeht. In Israel gibt es Schutzräume (hebräisch: Miklat)- in Deutschland nicht mehr. In Deutschland plant man dafür „gründlich“: nämlich Unterbringungsmöglichkeiten für 1 (Worten: ein!) Prozent der Bevölkerung. Beleg dazu? Geben Sie in Suchmaschinen wie Google den Suchbegriff „Konzeption Zivile Verteidigung (KZV) 2016“ ein. Eine doppelte Dosis Herzmedikamente sei vor dem Lesen empfohlen.
Dieser WELT- Artikel ist wirklich lesenswert und ausdrücklich von unserer Redaktion empfohlen. In Israel gibt es nämlich nicht nur Schutzräume. Im Artikel wird zum Beispiel eine Website erklärt, die einen simplen Zweck hat (Zitat):
… Für uns Israelis ein alltägliches Dilemma. Denn wer unter der Dusche steht, braucht zu lange, um rechtzeitig aus der Wohnung zu kommen. Also analysiert die Seite verschiedene Sicherheitsdaten und berechnet daraus eine Wahrscheinlichkeit: Wie hoch ist gerade das Risiko, dass Raketenalarm ausgelöst wird? Die Website beantwortet eine einzige Frage: Kann ich jetzt duschen? Das klingt nach einer Kuriosität. Tatsächlich ist es ein ziemlich präzises Beispiel dafür, was passiert, wenn eine Gesellschaft gelernt hat, Gefahr nicht zu verdrängen, sondern zu organisieren. Deutschland steht heute genau vor dieser Herausforderung. …
In Deutschland macht sich die Bundeswehr gerade darüber Gedanken, dass beim Schießtraining Soldaten eine Isomatte unterlegen oder das eine „Waschanlage“ für den Stiefelputz installiert wird. Irre, oder? Sind wir wirklich „wohlstandsverwahrlost“ oder leben – um es in den Worten des verstorbenen Guido Westerwelle auszudrücken – tatsächlich schon in „römischer Dekadenz“?
Insofern klingt es in Deutschland fast schon wie ein Hilferuf, wenn das staatliche Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) wieder und wieder – in Fernsehwerbung und in neu aufgelegten Broschüren – dazu aufruft, für sich selbst mindestens 10 Tage vorzusorgen: Wasser, Essen, Notradio, Kommunikationsmöglichkeiten, Kochmöglichkeiten, Erste Hilfe.

Plötzlich sind „Prepper“ keine „rechtsradikalen Spinner“ mehr, wie sie bisher von den Medien so gern dargestellt wurden. Sondern verantwortungsvolle Bürger, die im Krisen- und Kriegsfall (deswegen wurde die BBK-Broschüre neu gestaltet!) für sich selbst sorgen können. Mit anderen Worten: Staatliche Institutionen und Hilfsorganisationen wie Feuerwehr, Sanität und THW entlasten zu können. Den (Ur-) Großeltern musste man das nicht erklären. Damals hieß das auch nicht „preppen“ (von to be prepared: sei vorbereitet), sondern schlicht und ergreifend „Vorratshaltung“. Die hätte sich mancher sicher auch in der Corona-Pandemie (mit Ausgangssperren und Kontaktverboten) gewünscht. Nicht nur beim Klopapier. Aber die Deutschen leben überwiegend weiter in ihrer Vollkasko-Mentalität nach dem Motto:
„Der Staat wird es schon richten!“ oder „Der Staat wird uns helfen“ – Nein, wird er nicht.
Kann er nämlich gar nicht- das hat der Staat in den letzten Jahren „eindrucksvoll“ und vielfach unter Beweis gestellt. Die jüngsten Beispiele, nämlich linke Terrorangriffe auf die kritische Infrastruktur (KRITIS) beweisen das. Weder in Berlin- Köpenick noch im Berliner Südwesten wurde den Menschen (bei klirrender Kälte) schnell und unkompliziert geholfen. Der Regierende Bürgermeister von Berlin ging lieber Tennis spielen (siehe hier), im Ahrtal ging der Landrat lieber nach Hause. Die Menschen waren den Politikern erst mal egal. „Privat geht vor Katastrophe“, lautet offenbar das Motto. Hilfe kam immer nur zeitverzögert. Letztlich auch nur, weil es sich immer um lokale/ regionale Ereignisse gehandelt hatte. Weil Hilfe von außen möglich war. Man mag sich gar nicht ausdenken, wenn es nicht mehr lokal bleibt. Sondern Krisen und Konflikte bundes- oder gar europaweit zu Tage treten.
Der Greizer Landrat Dr. Ulli Schäfer (CDU) beantwortet zum Beispiel Kreisräten deren Anfragen zu Themen Brown-/ Blackout und dessen Auswirkungen (z.B. auf ambulante wie stationäre Pflegedienste) nicht. Begründung: „Keine Befassungskompetenz, da übertragener Wirkungskreis.“ In simplen Deutsch: Wenn es später mal nicht klappt, dann gibt es einen einzigen Verantwortlichen: den Landrat. Gut zu wissen, oder? Denn auch die Nachfrage, ob man sich (nach Ausfall von Internet/ Telefonie) ggf. eine Zusammenarbeit beim Thema „Bürger-Notfunk“ mit dem gleichnamigen Bürgerprojekt (BP) der Heimatstiftung Greiz-Vogtland e.V. vorstellen könne, blieb ohne Antwort. Offenbar meint man, der Situation schon gewachsen zu sein. Das dachte der Regierende Bürgermeister von Berlin vermutlich auch.
Der Greizer Bürgermeister Alexander Schulze (parteilos, Mandat CDU) agiert ähnlich planlos. Für die Rathaussanierung stehen 6,6 Millionen Euro zur Verfügung. Greiz hat aber keinen einzigen öffentlichen Schutzraum. Im Blackout setzt – mangels Sprit – BM Schulze bei den Pflegekräften sogar auf Elektroautos. Da kann man nur sagen: Herzlichen Glückwunsch zu so viel Kompetenz!

Vielleicht sollten Sie als Leser/in doch darüber nachdenken, für sich selbst vorzusorgen? Auch dafür gibt uns Mirna Funk aus dem fernen Israel einen hilfreichen Tipp: die Website der Initiative „Deutschland macht Alarm.“ Christian Gummig, Initiator der Initiative, konstatiert:
„Das größte Problem ist das Mindset. Die Bevölkerung ist mental nicht auf Konflikt vorbereitet – und politisch will man dieses Thema nicht konsequent anfassen, weil man keine Panik erzeugen möchte.“
Und Mirna Funk schlussfolgert völlig korrekt:
Doch genau diese Logik produziert das Gegenteil von Stabilität. Gesellschaften geraten nicht in Panik, weil sie vorbereitet sind. Gesellschaften geraten in Panik, weil sie es nicht sind.
Wer also im Fall des Falles keine (persönliche) Panik will, muss eines Tun: Sein Mindset ändern und sich – gedanklich wie tatsächlich – darauf vorzubereiten, dass es zu Krisenfällen kommen kann. Was tue ich (zuerst)? Wo trifft sich die Familie? Wo gehe ich ggf. hin – vor allem: wie komme ich dorthin? Egal ob „nur“ Hochwasser, ob ein Brown- oder Blackout oder eben auch ein Krieg. Dazu gibt es zwei gute Thesen aus der Prepper-Szene: „Lieber haben und nicht brauchen – als brauchen und nicht haben“ oder – von Stefan Spiegelsberger (YT-Kanal Energie Chiemgau) schärfer formuliert – „Wer es nicht schafft, sich vorzubereiten, der ist vorbereitet, es nicht zu schaffen.„

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