Einwohnerversammlung Greiz – Teil II: Kaufhaus DuK gehört nun der Stadt?

Das ehemalige "Konsum-Kaufhaus" (zwischenzeitlich "Duk") ist ein Einzeldenkmal an der Ecke Burgstraße/ Markt/ Markstraße (Foto: HBV)

Will die Stadt Greiz den Händlern Konkurrenz machen und ein Kaufhaus betreiben?

(Greiz). Die Überschrift ist provokant gewählt. Aber sie enthält ein Körnchen Wahrheit. Richtig ist: Die Stadt Greiz hat – wohl mit einstimmigen Beschluss durch de Haupt- und Finanzausschuss (HFA) des Stadtrates Greiz – den Erwerb jenes stadtbildprägenden Gebäudes (Ecke Markt/ Marktstraße/Burgstraße) beschlossen, dass die Greizer früher als KONSUM-Kaufhaus und nach der Wende als „DuK“ kannten. Ob die Stadt Greiz unter die Händler geht und ein Kaufhaus betreibt, ist Mutmaßung. Denn wie so oft: Das CDU-geführte Greiz gibt gern das Geld des Steuerzahlers aus- hat aber gar keinen Plan, was es mit der erworbenen Immobilie anfangen will.

Nutzungszweck Kaufhaus aufgegeben. Gebäude steht leer und ist in einem schlechten Zustand

Bekanntlich wurde der Nutzungszweck als Kaufhaus im Frühjahr/-sommer 2026 aufgegeben. Das Gebäude steht nun leer und ist in einem schlechten Zustand. Zwischenzeit war die Markstraße auch teilweise abgesperrt, weil von der Gebäudefassade eine Gefahr für die Fußgänger ausging. Der private Eigentümer ließ das stadtbildprägende Einzeldenkmal weitgehend verfallen. Der Reparaturstau am Dach, an der Fassade und auch innen soll Angaben gemäß immens sein. Den wollte der Eigentümer nicht mehr schultern und bot das Objekt zum Kauf an.

Irrt die Stadt wieder einmal ziel- und planlos in die Zukunft?

Mit den Erfahrungen des Gebäudes Bruno-Bergner-Straße 2 (hier hat Landrat Dr. Ulli Schäfer inzwischen eine Ausschreibung für den Abriss auf der Website des Landratsamtes veröffentlicht) lernend entschieden sich die HFA-Ausschussmitglieder für den Kauf. Laut Aussagen von BM Schulze stünden für die Sicherung des Gebäudes Fördermittel zur Verfügung. Auch für die weitere Ertüchtigung/ Nachnutzung dieses Denkmals im Zentrum der Stadt setzt der Greizer Bürgermeister auf Städtebau- Fördermittel.

Welche Nachnutzung das sein könnte, weiß Alexander Schulze offenbar selbst noch nicht. In anderen Medien war davon die Rede, dass nun (!) ein Nachnutzungskonzept entwickelt werden soll. Will heißen: Man kauft erst mal, weiß aber noch nicht, was daraus werden soll. Welcher private Investor würde so vorgehen? Mehr noch- wer würde für solche Planlosigkeit Geld von Banken bekommen?

Bietet das „Konsum“-Kaufhaus die Chance zum Erhalt von dm in Greiz?

Ideen für dieses wunderschöne Haus gibt es sicher viele. Nachdem nun das Marstall-Center Geschichte ist, bleibt das Horrorszenario Wegzug des dm-Drogeriemarktes akut. Dessen Verkaufsfläche ist für heutige Ansprüche zu klein. Überlegenswert wäre also, dem Drogerieriesen im ehemaligen Konsum-Kaufhaus nach der Ertüchtigung adäquate Flächen anzubieten. Vorteil dieses Vorschlages: Damit käme „Leben in die Bude“, denn dm ist einer der Magneten für die Entscheidung, überhaupt in der Innenstadt einkaufen zu gehen. Ein Drogeriemarkt allein wird es aber nicht reißen. Mit einem behinderten-/seniorengerechten Umbau (Fahrstuhl) wären die obere Etage dann für medizinische Dienstleister (Ärzte, Ergo-/Physiotherapie) interessant. Wichtig: Dann müsste die Stadt mal über ihr Verkehrskonzept nachdenken. Nicht weit von Greiz beweisen Städte, dass man Innenstädte auch ohne „Tot-Beruhigung“ sehr wohl lebendig halten kann. Und zwar bei bezahlbaren Parkgebühren.

An den bürger- und arbeitnehmerfreundlichen Öffnungszeiten von dm könnte sich so manch anderes Greizer Geschäft ein Beispiel nehmen. Wenn teilweise um 17.00 Uhr die Bordsteine hochgeklappt werden, liegt das auch daran, dass viele Geschäfte diejenigen Kunden nicht mehr im Blick haben, die selbst „nine to five“ (09.00-17.00 Uhr) arbeiten müssen. Schmerzlich zu vermissen ist hier – nach mehreren gescheiterten Versuchen – ein aktiver Gewerbeverein. Der eigene Interessen bündelt, Sprachrohr gegenüber der Stadtpolitik und -verwaltung ist. Aber z.B. auch dafür Sorge trägt, dass hoffentlich nicht alle Bäcker in Greiz zeitgleich Urlaub machen.

Der oben genannte Fahrstuhl sollte sinnvollerweise von einem Anbieter aus der vogtländischen Region gebaut werden. Die Stadt Greiz kennt den, vergibt aber beim Neubau von Kindergärten solche Leistungen in den Westen. Wie „clever“ ist das denn von Bürgermeister und Verwaltung?

Vorschlag: Ideenwettbewerb ausrufen, um von Beginn an fachliche Expertise und Akzeptanz der Bevölkerung zu verbinden

Bevor sich Bürgermeister Alexander Schulze mit seiner Verwaltung wieder hinter seiner Wagenburg verkrümelt, noch ein anderer Vorschlag. Es gibt in Greiz Menschen mit Sachverstand aus dem Bausektor – zum Teil aktiv, zum Teil schon berentet. Die fachlich sehr wohl in der Lage sind, ihre Liebe zu Greiz über ein winkendes Salär zu stellen und Planungs-Ideen für die Nachnutzung zu Papier zu bringen. Die sich damit für ihre Stadt ein Denkmal setzen könnten. Diese Experten sollte man mit einem Ideenwettbewerb dafür gewinnen, dass aus dem wunderschönen Haus etwas sinnvolles und Dauerhaftes wird.

Noch wichtiger. Die Ergebnisse sollten den Greizern dann vorgestellt werden. Vor allem aber: Die Greizer selbst sollten das letzte Wort haben, für welches Ergebnis der Stadtrat den Zuschlag geben soll. Viele Greizer haben inzwischen resigniert, weil deren Ideen nicht gehört oder im schlimmsten Fall sogar torpediert wurden. Beispiele gefällig?

Beispiel 1: Es gab Vereinsmitglieder, die viel Zeit und Mühe für einen durchgehenden Rad-/Wanderweg auf der ehemaligen Bahnstrecke Greiz-Neumark (beginnend vom Bahnhof Greiz über die Elsterbrücke durch den Tunnel bis nach Neumark) aufgewendet hatten. Blockiert wurde dies durch eine CDU-Landrätin und zwei SPD-Bürgermeister – deren Wahlkampf-„Schnapsidee“ eines „Autobahnzubringers“ (auf einer eingleisigen Bahnstrecke!) sich in Luft auflöste. Heute dümpelt der Radweg (der für unsere Region eine echte Bereicherung wäre) abschnittsweise vor sich hin und endet ohne Sinn und Verstand jeweils im Nirwana.

Beispiel 2: Für die Vogtlandhalle gab es einen solchen Ideenwettbewerb mit verschiedenen Modellen. Gewonnen hat nicht das in der Bevölkerung beliebte Modell, sondern der im Volksmund als „Kohlenkasten“ verrufene Entwurf der „Experten-Kommission“. Die CDU war damals zumindest schlau genug, die schwarze Schieferfassade aufzugeben. Bedenken hinsichtlich der Kosteneffizienz bzgl. Größe des Hauses (für Fernsehproduktionen zu klein, keine multifunktionale Nutzung möglich) und vor allem der Finanzierung wurden von CDU und SPD in den Wind geschlagen. Ergebnis: Heute will man in jeder Haushaltsdebatte das hochdefizitäre Haus (rd. 1,1 Mio. € minus jährlich) am liebsten ausblenden. Auch das hätte man unter Umständen anders haben können – wenn man wenigstens einmal Folgekosten im Blick gehabt hätte.

Beide Beispiele (von vielen) beweisen, dass sich Greizer für ihre Stadt und die Region interessieren und auch engagieren. Man muss sie nur lassen – und mitnehmen. Nicht immer als Politik alles besser wissen (wollen). Wohin das mit CDU und SPD geführt hat, beweist der Bevölkerungsrückgang, die Schließung von Kinder-/Jugendstation/Geburtshilfe im Greizer Krankenhaus und der Verfall unserer öffentlichen Infrastruktur. Übrigens auch der Verfall privater Häuser.

Ist es Zeit für einen Mietspiegel der Stadt Greiz?

Denn so gut der Vorschlag für einen gemeinsamen Mietspiegel im Landkreis (!) Greiz gemeint war – er zwar besser als nichts, aber an sich ein Rohrkrepierer. Denn Wohnlagen sind völlig unterschiedlich. Wenn man dann Mieten in Dorflagen vermischt mit Mittelzentren, dann bekommt man eben Durchschnittsmieten, bei denen sich Investitionen schlicht nicht mehr rechnen. Dann lassen – wie zu DDR-Zeiten, wo Mieten eben auch nicht einmal kostendeckend waren – private Eigentümer ihre „Hütten“ lieber verfallen. Letztlich hat dann der Steuerzahler wieder das Problem. Entweder durch Abriss (B.-Bergner-Straße) oder Erwerb – beides mit ungewissem Ausgang. Soll unsere Stadt eine Zukunft haben, muss das aufhören. Parteibücher ersetzen ganz offenbar keinen wirtschaftlichen Sachverstand!

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