
Eine Neuheit war damals für Greiz das am 29. Oktober 1935 eröffnete Verkehrsbüro. Eigens dafür – und weil es zentral liegen sollte – baute die Stadt in den Anlagen unterhalb der Hindenburgbrücke (Friedensbrücke) ein hübsches Holzhaus. Alles wurde im Reisebüro publik gemacht: örtliche Veranstaltungen, Omnibusfahrten ins Fichtelgebirge und ins Ausland,…. auf „Thüringen, das grüne Herz Deutschlands“ wies man hin. Die Mitarbeiter wurden geschult , wie man Gäste für das schöne und idyllisch gelegene Greiz interessiert. Anfang Juni 1936 war das Reisebüro fester Bestandteil des Informations- und Reisenetzes, was wir aus einer Pressemeldung schließen können.Der Holzbau, stets städtisches Eigentum, hatte nie eine Hausnummer, aber Platz im Adreßbuch (z.B. 1937/38 als Städtisches Verkehrsamt Heinrichstraße/Verkehrs-Kiosk). Für den Greiz-Besucher war es wichtig, das es als Verkehrsbüro in einem Stadtplan von 1951 vermerkt wurde. War Greiz dem Tourismus-Zeitalter voraus?Durch die Brückensprengung im April 1945 entstanden am kleinen Bau Dach- und Fensterschäden, beim Hochwasser 1954 bekam er „nasse Füße“, doch er überstand die Jahre . Je älter die DDR wurde, desto weniger brauchte man ein Reisebüro. Im Frühsommer 1960 durfte die Anrechtsstelle des Greizer Theaters in den Kiosk eingezogen sein. Bis Ende der Spielzeit 1959/60 hatte sie ihren Sitz an der Ecke Ernst-Thälmann-/Stavenhagenstraße. Runde 30 Jahre sollte der Holzbau nun der Theater-Kiosk sein. Daß Insider unter sich „Elsterpavillon“ oder – ob der Werbung mit Szenenfotos – auch „Schaubude“ sagten, war gar nicht so abwegig. Um 1991 zog die Anrechtsstelle aus, zurück in die Arme des „Mutterhauses“ Theater. Von Handwerkern der Stadtverwaltung und anderen wurde der Holzbau 1995 rekonstruiert. Eine neue Betreiberin vom „Elster-Imbiß“ pachtete ihn und bedient dort vorwiegend „eilige“ Kunden. Sie kann für den Kiosk in Anspruch nehmen, heute auf der ganzen rechten Straßenseite das einzige Gebäude zu sein! Lange vor dem Verkehrsbüro stand in den Anlagen ein ganz anderen Zwecken dienender kleiner, mehreckiger Bau: ein Bedürfnißhäuschen für Männer. Als 1888 der Platz für das Kaiser-Wilhelm-Denkmal festgelegt worden war, beschloß der Gemeindevorstand in seiner Sitzung vom 14. Mai 1888 die „Versetzung des Bedürfnißhäuschens auf Kosten der Stadt“. Es bekam seinen Standort links der Einfahrt zum Elsterflußbett; in den frühen 50er Jahren erfolgte der Abbruch. Fazit : Wer in den 60er/70er Jahren die „Kistenbar“ besuchte, ahnte nicht, auf welch einstmal „lebensnotwendigem“ Areal er stand 😉
Foto: Heinrich Fritz
(Irrt.Vorb)
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