Greiz Geschichte

Das Obere Schloss ….​Beim Greizer Brand 1802 befanden sich dieDiensträume der Justiz-, Verwaltungs- und Kirchlichen Behörden in den Staatlichen und Kirchlichen Gebäuden, die dem Feuer zum Opfer fielen….und wenn wir so wenigKunde über die ältesten Zeiten von Greiz haben, so hat dies seinen Grund u.a. mit im Greizer Brand 1802, der das Untere Schloss, das ihm gegenüberstehende Amtshaus, Rathaus und Superintendur und damit zugleichviel wertvolles Aktenmaterial vernichtete.Denzufolge beruht fast alles, was über diefrühesten Zeiten, auch über unsere alte Reußenburg auf dem 50 m hohen Schlossberg geschrieben worden ist, auf Vermutung, Urkunden von anderen Städten und einiger bei der Reparatur des Schlossturms gefundenen, auf Forschungen über ausgegrabene Totenschädel, Waffen, Ackergeräten u.a.Man nimmt nun an, dass unsere Gegend in denältesten Zeiten von den Hermunduren ( aus denen wurde Thüringen ) bewohnt wurde. Als nun die Sorben, ein Volksstamm der Slaven, im 6. Jahrhundert bis zur Elster vordrangen, unterjochten sie die nach der Auswanderung zurückgebliebenen Ureinwohner und ver – blieben bis zu ihrer eignen Unterwerfung durch die Franken im 9. Jahrhundert.Da liegt nun die Vermutung nahe, dass der Ur-anfang unsrer Burg auf die Slaven zurückzuführen ist, denn in alten Chroniken wird ein Bau des 10. Jahrhunderts erwähnt. Das kann nur der kleine Wartturm auf dem Felsen, der als der älteste Teil angesehenwird, gewesen sein, den man in späteren Jahrhunderten umbaute, mit dem jetzigen Mantel umgab und mit einer Sturmhaube krönte. Aber der Ausbau dieser möglicherweise vorhandenen kleinen Anlage und die Erbauung zu einer wirklichen Burg ist erst im 10., vielleicht auch im 11. Jahrhundert durch deutsche Ritter erfolgt, und somit hat die Greizer Burg das ehrwürdige Alter vonmindestens 900 bis 1000 Jahren. Dafür sprechen sichere Anzeichen. Als die Deutschen die Slaven unterjochten ( die letzte für die Slaven vernichtende Schlacht in unsrer Gegend soll der Sage nach 929 zwischen Reichenbach-Lengenfeld-Kirchberg stattge-funden haben ), wurde zur Niederhaltung der Slaven von 900 bis 1000 der Burgenring Osterstein, Weida, Gleisberg ( Veitsberg ), Berga, Schönfels, Plohn, Falkenstein angelegt. All diese Burgen waren nach einer bestimmten Bauweise und Anlage errichtet, die auchdie Greizer Burg aufweist. Zu dieser Burgengründung rechnet man auch die Gründung von Elsterberg und Mylau. Angenommen wird ferner, dass sich die deutsche Siedlung… wenn auch nur in armseligen Hütten… in der heutigen Parkgasse befand, von der aus heute noch der Weg bis zum Stelzentor des Oberen Schlosses hinaufführt. Die Strasse “ Am Schlossberg “ ist später von Heinrich XI erbaut worden. Als weiteren Beweis für die Gründung durch deutsche Ritter könnte man noch anführen, dass zum ersten Male “ Castrum Groitz “ 1225 im Patronatsstreit zwischen Elsterberg und Weida, die schon vor Greiz Kirchen besaßen, vorkam. Diese Annahme wird jetzt durch die Wahrnehmung des Regierungsbaurats Mitzschke bestätigt, die er im August 1933 bei Aussenputzarbeiten am Oberen Schloss machte. Bei diesen Arbeiten wurde eine vor alter Zeit vermauerte Rundbogenöffnung freigelegt, welche die älteste baugeschichtliche Kunstform zu Greiz darstellen dürfte. Baurat Mitzschke ließ beim Neuverputzen diese Stelle frei und gab die folgende Beschreibung des heute noch in gedrungener Kraft wirkenden Bauwerkes. Baurat Mitzschke schreibt dazu:​“ In der Fläche des Backsteinmauerwerks ( Steinformat etwa 8 x 13 x 27 cm ) war eine 1,33 m breite Öffnung vorhanden und durch drei übereinandergelegte Halbkreisbogen überspannt. Der erste ( innerste ) Bogen ist ein Stein ( 27 cm ) stark und hat an den beiden Kämpfern und im Scheitel je einen Sandstein, dazwischen leicht keilige Backsteine. Der zweite und dritte Bogen ist je 1/2 Stein stark, und zwar zeigt der zweite nur die Längsseite der Backsteine ( Läuferschicht ), der dritte nur die Kopfseite ( Bindeschicht ). Der Wechsel dieser Steinformate bringt eine interessante Belebung in den sonst ganz einfach gehaltenen und nur mit leichter Abrundung gegen die Oeffnung zu verzierten Bogen. Vermutlich war dieser Wechsel ursprünglich durch die verschiedene Farbenbehandlung noch betont, wovon jedoch nichts mehr zu erkennen ist. Die Laibungstiefe des Bogens beträgt 27 cm ( 1 Stein ). Die Breite des inneren Anschlags ist nicht festzustellen, wenn man die Mauer nicht aufreissen will, sie beträgt aber sicher über 27 cm, sodass es sich also vermutlich um eine ehemalige Tür handelt.​Bautechnisch interessant ist, dass die Backsteine des ersten Bogens nicht nur 27 cm hoch, sondern auch 27 cm tief, aber quadratische Platten sind, ferner, dass die Backsteine des zweiten Bogens gleich bei der Herstellung nach dem Zirkel rund geformt und so gebrannt wurden. Ausser den drei Sandsteinen sind also dreierlei verschiedengeformte Backsteine vorhanden. Man hat sich eben damals, schätzungsweise erste Hälfte des 13. Jahrhunderts, noch viele handwerkliche Mühe leisten können, wodurch die auch heute noch wirkungsvolle persönliche Lebendigkeit der alten Bauwerke bei einfachster Materialgebung entstand. „​In den ältesten Zeiten bewohnten die Burg die deutschen Ritter, welche später den Namen Vögte und noch später den Namen Grafen und Fürsten von Reuss annahmen. Das Schloss, das in früheren Zeiten einen viel kleineren Umfang hatte als jetzt und in der Hauptsache aus zwei Hauptteilen bestand, brannte 1540 mit Ausnahme des Turmes vollständig nieder, wurde aber von 1697 bis 1714 während der Regentschaft der Gräfin Henriette Amalie, Gemahlin des Generalfeldmarschalls Heinrich VI., des Helden von Zenta, auf den noch vorhandenen Grundmauern um- und ausgebaut. Doch bekunden die angebrachten Jahreszahlen 1745​und 1764 weiteren Ausbau, den dann Heinrich XI. in kunstvoller Weise beenden ließ. Doch zeigt sich in der Ausgestaltung beider Flügel großer Unterschied. Der östliche mit den Ziergiebeln macht künstlerisch einen grösseren Eindruck als der westliche, bei dessen Bau Heinrich XI. nicht mehr Mittel in genügender Weise zur Verfügung standen. Die innere Ausstattung war derartig kunstvoll, dass sie selbst der ernst zu nehmende Professor Lehfeldt in seinen “ Bau- und Kunstdenkmäler Thüringens “ besonders anerkennend bespricht. So steht die Burg noch heute vor uns. Nach dem Brand des Unteren Schlosses 1802 erfolgte nach dessen sofortigen Aufbau Verlegung der Fürstlichen Residenz von Oberen nach den Unteren und Übersiedlung der Staats-, Fürstlichen und anderen Behörden nach dem Oberen Schloss.​In diesen Verhältnissen trat erst 1918 mit Besitzergreifung beider Schlösser durch den Staat Änderung ein. Die Regierungsräume in Oberen Schloss verblieben, nur saßen in ihnen andere Männer. Viele Räume wurden umgebaut, Forstamt und das Staatsarchiv mit seinen zahlreichen ehrwürdigen Akten fanden Unterkunft, nur der allbeliebte Schlosskeller mit seinem guten und billigen(…naja ,so billig war es zu DDR Zeiten,nach der Wiedereröffnung mit Preisstufe S auch wieder nicht 😉) Bier ist mit Wehmut der Greizer verschwunden,….. allerdings schon seit Gasparinens Zeiten. Nach Verlegung der Regierung nach Gera und später nach Weimar, wurden auch die Regierungs – räume anderen Zwecken, u.a. der landwirtschaftlichen Schule, dienstbar gemacht. ​Die Bewohner des Schlosses und sämtlicher fürstlichen Gebäude waren von 1884 bis 1919 von der Stadtgemeinde Greiz ausbezirkt und bildeten die Schlossgemeinde mit vollständiger Selbstverwaltung.​Der Ruhm, die kunstvolle Ausstattung des Oberen Schlosses herbeigeführt zu haben, gebührt dem 1778 in den Fürstenstand erhobenen kunstsinnigen und alle kulturellen Bestrebungen fördernden Heinrich XI. Während des 7 jährigen Krieges leistete er auf Seiten Österreichs Kriegsdienste und infolge seiner Stellung als Feldmarschall gelang es ihm, mancherlei Gefahren und Bedrohungen von Greiz abzuwenden. Wenn auch Greiz die Durchzüge zu den Gefechten bei Plauen, Hof, Schleiz, Auerbach mitunter zu erleiden hatte, so blieb es doch von großen Kontributionen verschont, wie sie z.B. Gera mit 500 000 Talern auferlegt bekam. Nach dem Krieg lebte Heinrich XI. meist in Wien, seine Gattin, die ihm 11 Kinder schenkte, in Dresden und am wenigsten in Greiz. Trotzdem hat er für Kunst und Kultur mehr geschaffen, als seine Vorgänger, die ausschließlich in Dienste Österreichs standen. Heinrich XI. ließ den Schloßhof im Oberen Schloß ausbauen, das Schloßinnere mit Stuck und kunstvollen Gemälden ausstatten, den Pavillon unterhalb der Schanze für musikalische theatralische Aufführungen (Innschrift: musus sacrum), sowie das Reithaus für Turniere erbauen, die Reitbahn und Wege um das Schloss herum in ausgedehnter Weise anlegen und die Südseite des Berges mit Obstbäumen edelster Art bepflanzen. ​Vollständig Neues schuf er 1779 mit Erbauung des Sommerpalais, das er im Innern prunkvoll ausstatten liess. Für das an dieser,Stelle beseitigte ehemalige Gewächshaus ließ er ein Neues errichten, welches 1934/35 nochmal umgebaut wurde und Pflanzen von größter Seltenheit aufstellen. An das Gewächshaus schloß er das Hoftheater an und in der Nähe des damaligen Parkeingangs entstand 1778 das Porzellanhaus mit echt japanischem Porzellan zum Verkauf. Dem Porzellanhaus diente als Muster die Kapelle von St. Lorenz in Florenz mit den Gemälden von Michelangelo und den Medici Gräbern. Das ganze Gebiet um das Palais herum wurde zu einem Park in französischem Stil umgestaltet, der sich bis zum heute nicht mehr stehenden Kaffeehäus’chen und zur Luftbrücke herabzog. Der Weg von der Luftbrücke aus führte auf den andern Ufer zu der heute noch vorhandenen Grotte, die damals zu Kaffeekränzchen der Hofgesellschaft diente. Wenn nun auch viele Arbeiten durch die Froner ausgeführt wurden, so entstanden doch immerhin noch so viel Kosten, dass Heinrich XI. immer wieder gezwungen war, neue Steuern auszuschreiben, wodurch das Verhältnis zwischen Fürst und Volk getrübt und Heinrich XI. sogar bedroht wurde. Zu all diesem kam nun auch noch die für Heinrich XI. fast unerschwingliche Last beim Erwerb des Fürstentitels im Jahre 1778. Reuss hatte sein Wappen bereits seit dem 11. Jahrhundert, aber Heinrich XI. strebte nach dem Fürstentitel und benützte sein Ansehen am Wiener Hof, zum Wappen auch den Hermelinmantel mit Fürstenhut für ewige Zeiten zu erhalten. Es gelang ihm, trotz Sachsens Widerspruch, aber es kostete ihm 27 335 Taler für die geldbedürftige k. k. Wiener Staatskasse und mindestens ebensoviel Nebenspesen an andere Kassen und für manches andere. Wenn auch die Stände 12 000 dazu bewilligen, die Hauptlast musste Heinrich XI. selbst aufbringen, wozu ihm sein Kommerzienrat Fritz behilflich war. ​Heinrich XI. hatte sich schliesslich so verausgabt, dass er die Domänen Irchwitz, Pohlitz u.a. zur Aufbringung seines Haushaltes verkaufen musste. Als er im 79. Lebensjahr verstarb, hinterliess er eine ungeheure Schuldenlast. ​Seine Untertanen haben wohl über die ihnen auferlegten Lasten gemurrt, sogar in Landtag in den 1920er Jahren hat sich der Abgeordnete Fischer über die Verschwendung der Fürsten aufgeregt und heute noch verurteilen vielleicht manche das Lebenswerk Heinrich des XI. Man sollte jedoch nie vergessen, dass Heinrich XI. Gleichgrosses und Unvergängliches für Greiz geschaffen hat wie Ludwig XIV., Friedrich der Grosse, August der Starke, Ludwig II. von Bayern, die Markgrafen von Bayreuth für ihre Residenzen und Länder, selbstverständlich im Verhältnis zur Grösse ihrer Länder. Früher hat man viel über die kleinen Fürsten und Duodezstaaten gespöttelt, und am meisten über Reuss-Greiz-Schleiz-Lobenstein. Heute wird kein Mensch mehr den großen Einfluss abstreiten wollen, den auch die kleinen Fürstenhöfe auf die kulturellen Bestrebungen, Musik, Theater, Geschäftsbelebung u.a. ausgeübt haben. Was Weimar ohne seinen Karl August wär mit seinen Geistesgrößen, was Meiningen ohne Herzog Georg, Gera ohne Heinrich XXVII. und den jetzigen Erbprinz, die selbst nach der Revolution 1918 erstaunlich hohe Zuschüsse für Theater und Kapelle leisteten, was Greiz ohne Heinrich XI. mit seinem Ausbau des Oberen Schlosses und seinem von ihm erbauten Palais, in dem jetzt die seltensten Kunstschätze des ehemaligen Fürstenhauses betreut und bewundert werden,was ohne Heinrich XIII. mit seinem erbauten, einen Schmuck der Stadt bildenden majästätischen Unteren Schloss und ohne Heinrich XXII. mit seiner idyllischen Idahöhe und seinem weit und breit berühmten wunder-vollen Park und Parksee !Man denke sich alles dies von Greiz weg !Was wäre Greiz ? Eine Fabrikstadt wie Netzschkau,Mylau, Reichenbach, welche letzteres seine Besuche nach Greiz führt, um diesen die größte Schönheit zu zeigen: den Greizer Park.

( Irrt.Vorb. )

Text :nach Franz Leber 1935 ( angepasst )

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