
Greiz. Ein sichtlich erleichterter Landrat Dr. Ulli Schäfer trat heute um Punkt 8 Uhr an Mikrofon: „Ich bin sehr stolz, dass ich diese Ankündigung jetzt machen darf. Zeitgleich wird dies von den Landräten in Plauen und Hof verkündet werden.“ Was er jetzt verkündete, glich einen mittleren Erdbeben in der Geschichte des wiedervereinigten Deutschlands: „Wir gründen auf Beschluss der Kreistage und Stadträte den unabhängigen Staat Vogtland. Dies wurde letzte Woche im nichtöffentlichen Teil der Sitzung beschlossen. Unsere Verhandlungen mit der Bundesregierung sind weit fortgeschritten. Wir werden schuldenfrei aus der Bundesrepublik entlassen.“ Auch alle weiteren Ankündigungen, die der Landrat machte, schlugen ein wie eine Bombe. Der Flughafen Hof-Plauen wird zum internationalen Drehkreuz für den erstarkenden Tourismus ausgebaut. Regierungssitz des neuen Staates soll Greiz werden. In Auerbach soll das Wirtschaftsministerium bleiben. In Rodewisch wird das Gesundheitsministerium eröffnet, gleich neben dem Psychiatrischen Krankenhaus. Dies wird sich zukünftig unter anderen auf ehemalige Politiker spezialisieren, die den Sinn für die Realität verloren haben. Des Weiteren soll ein Wintersportzentrum in Klingenthal eröffnet werden. Gera wird als staatlicher Universitätsstandort ausgebaut werden. „Wir werden den neu geschaffenen Staat übergangsweise durch die bisherigen Landräte regieren lassen.“ Für den 29. Februar nächsten Jahres seien freie und demokratische Wahlen vorgesehen. „Die UNO“, so Schäfer „hat bereits signalisiert, uns ohne Wartezeit aufzunehmen. Als erste Botschafterin bei der UNO konnten wir die Prinzessin von Reuß gewinnen. Viele kennen sie als Anni-Frid Lyngstad, die Sängerin der Popgruppe ABBA. Bis Ende 2027 wird sie diesen Job für uns übernehmen.“
Das Vogtland bekommt eine Verfassung

Auf die Nachfragen der Journalisten verkündete Dr. Schäfer, dass der neue Staat Vogtland blockfrei bleiben wolle: „Frieden als oberstes Staatsziel steht im geplanten Entwurf der Verfassung.“ Man hätte sich in den Kreistagen auf ein revolutionäres Steuerkonzept geeinigt: „Mehrwertsteuer generell 7%. Alle Doppelbesteuerungen werden abgeschafft.“ Des Weiteren werden die Banken und Sparkassen auf dem Gebiet des neuen Staates neu organisiert. In zwei Jahren, so versicherte er stolz, wird der neue Staat reicher als Luxemburg und Liechtenstein zusammen sein. Noch-Landrat Dr. Schäfer zeichnete ein farbenfrohes Bild des neuen Staates in der Mitte Europas. Bezahlbarer ÖPNV, modernste Medizin, bezahlbarer Wohnraum, Sicherheit und Wohlstand für alle Bürger und Gäste, das waren einige seiner Visionen. So wolle man zum Beispiel die Bahnhöfe in Greiz, Gera, Hof, Plauen sowie Werdau zum ICE- und TGV – Knotenpunkt ausbauen. Die Bahnstrecken zwischen Weida, Wünschendorf und Werdau werden wieder eröffnet und auf Tempo 160 km/h ertüchtigt. Auch die Bahnstrecke von Greiz nach Neumark mit direkter Anbindung nach Zwickau und Dresden soll wieder reaktiviert werden. „Wir rechnen mit einem enormen Anstieg des Tourismus. Deshalb werden alle Unternehmer, wenn sie investieren, für mindestens 2 Jahre steuerfrei gestellt.“

Vogtland als Staat bereits weltweit anerkannt

Auf die Frage des Heimatboten Vogtland, wie es mit der Anerkennung des neuen Staates durch andere Länder wäre, entgegnete Dr. Schäfer voller Stolz: „Die USA und Russland haben als erste um Aufnahme diplomatischer Beziehungen gebeten. Die USA wollen in Waldhaus das ehemalige Lehrlingswohnheim des Forsts übernehmen. Russland will das Rote Haus am Greizer Karl-Liebknecht-Platz kaufen. „Sozusagen vom Roten Platz ins Rote Haus“, schmunzelte er. „Der Bundesregierung haben wir den ehemaligen Friseur auf dem Greizer Reißberg angeboten. Die Vereinigten Arabischen Emirate begnügen sich für den Anfang mit der Alten Wache. Wir haben mittlerweile 182 Nationen, die gern mit uns zusammenarbeiten wollen.“ Für seine Vorgängerin im Amt verkündete Schäfer auch eine neue Tätigkeit: „Frau Schweinsburg wird unsere Botschafterin in Indien. Sie wissen schon, dort, wo der Pfeffer wächst.“
Hochfliegende Pläne
Dann enthüllte der Greizer Landrat einen wahrhaft hochfliegenden Plan: „Wir werden als erster Staat der Erde den Mond besiedeln. Von unserem Kosmodrom in Auerbach, welches auf dem dortigen Flugplatz errichtet wird, starten in ein paar Minuten die ersten Vogtländer. Der Greizer Bürgermeister Alexander Schulze und der Stadtratsvorsitzende Holger Steiniger werden zum Mond geschossen. Sie werden dort den Grundstein zu „Neu-Pansdorf“ legen und den Aufbau der Stadt überwachen. Wir rechnen damit, dass wir in einem Monat den ersten Hotelkomplex fertig gestellt haben. Dann werden die ersten Touristen von Obergrochlitz zum Mond starten können. Aus Umweltschutzgründen bieten wir anfänglich nur Reisen von mindestens einer Woche an.“ Auf die Frage des Heimatboten Vogtland, wann die beiden Weltraumpioniere zurückkehren werden, schaute Dr. Schäfer verdutzt: „Ich denke, sie werden nicht zurückkommen. Wann bekommt man schon mal die Möglichkeit, dauerhaft unter geringerer Gravitation zu leben? Außerdem sind beide von ihren irdischen Ämtern zurückgetreten.“
Ein sichtlich erfreuter Landrat beendete die Pressekonferenz. Zum Abschluss bedankte er sich bei den Stadt- und Kreisräten aller Landkreise und kreisfreier Städte: „Ich freue mich, dass keiner etwas durchgestochen hat an die Medien. So stelle ich mir vertrauensvolle Zusammenarbeit vor. Und jetzt, meine Damen und Herren, bedanke ich mich für Ihre Aufmerksamkeit. Es gibt viel, sehr viel zu tun.“ Anschließend bedankte er sich bei den anwesenden Medienvertreter und bat die Chefredakteure des Heimatbote Vogtland zum Hintergrundgespräch.


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