10 Jahre „Sari Sari – Store“ in Daßlitz

Hinweisschilder weisen den Weg zum Sari-Sari-Shop (alle Fotos: HBV/oeb)

Heimliche Erfolgsgeschichte in Daßlitz: Asiatischer „Tante Emma-Laden“ hat sich etabliert

(Daßlitz/ LK Greiz). In Daßlitz, einem kleinen Ortsteil der Landgemeinde Langenwetzendorf, gibt es eine Erfolgsgeschichte der besonderen Art. Am 01.Juli 2016 startete die Filipina Leizel Ebert in Daßlitz ihren Traum von einem eigenen kleinen Lebensmittelhandel und konnte nun ihr 10-jährige Firmenjubiläum feiern.

Von den Philippinen über Zypern nach Deutschland – voll integriert und engagiert.

Eine Rückblende:  Die junge Frau und ihr deutscher Ehemann lernten sich 2010 in Zypern kennen. Ein Jahr später heirateten sie in Larnaca auf Zypern. Dort arbeitete die junge Frau bereits seit 2008 als Gastarbeiterin in der Hotellerie. Erst im Dezember 2011 durfte sie endlich zu ihrem Mann nach Deutschland einreisen. Sie begann sich hier an die neuen völlig fremden Lebensumstände, neue Kultur und Gebräuche zu gewöhnen. Sprache ist der Schlüssel einer erfolgreichen Integration – deshalb begann Leizel Ebert, diese Sprache zu lernen. Und sie bra chte sich dadurch auch kulturell ein. Bereits ein Jahr später,  im Dezember 2012 , organisierte sie gemeinsam mit ihrem Mann im Dorfgemeinschaftshaus in Daßlitz die erste internationale Weihnachtsfeier für deutsch – philippinische Familien und Paare. Sie wurde ein Erfolg und in den Folgejahren an wechselnden Standorten wiederholt.

Niemanden auf der Tasche liegen – daher der Wunsch nach Selbständigkeit

2013 gab es Familienzuwachs, es kam des erste gemeinsame Kind zur Welt. Das Familienleben verlief glücklich und zufrieden. Bis die junge Mutti im Frühjahr 2016 ihrem Mann offenbarte, dass sie sich selbstständig machen möchte. Im Redaktionsgespräch gab der Ehemann zu, dass sich seine Begeisterung damals arg in Grenzen hielt. Zumal er aus seinen Reisen auf die Philippinen genau das kannte, was seine Frau nun in Deutschland vor hatte.

Aber es wurde nicht lange überlegt und den Ratschlägen ihres Mann folgend, wurde  zunächst erst einmal Recherche nach Marktgegebenheiten, Einzugsgebiet und vor allem zuverlässigen Lieferanten betrieben. Als die ersten Zusagen der Lieferanten kamen, wurde es schnell sehr konkret und praktisch. Das Gewerbe wurde beantragt und die ersten Anschaffungen getätigt. Diese bestanden aus einem Ladengeschäft mit zwei kleineren Ikea Regalen und einer kleinen Gefriertruhe. Die übrigens noch heute gute Dienste leistet. 

Die ersten Jahre musste die angelieferte Ware sofort Cash bezahlt werden bei Anlieferung. Die ersten Kundinnen waren die neuen Freunde aus den o.g.Familien und Bekanntenkreis. Dann begann Leizel Ebert richtig durchzustarten. Sie hatte in den Philippinen ein Studium in Handelswissenschaften an einer Universität absolviert, welches sie sich eigentlich nicht leisten konnte. Als Study-Worker arbeitet sie hart für das Studium und den Abschluß. Das sollte ihr nun zugute kommen! Über Internet  und Mundpropaganda entwickelte sich ihr kleines Online-Geschäft. Dies sichert, dass sie mittlerweile deutschlandweit und in Anrainerländer die Waren vertreibt. Die Bestellungen gehen online ein und sind zu 99% innerhalb von zwei bis drei Tagen beim Kunden. 

Corona setzte Gewerbetreibenden stark zu – auch in Daßlitz.

2020 und 2021 wurde zu einer enormen Herausforderung. Politisch motivierte und teilweise völlig unverständliche, weil realitätsfremde Corona Maßnahmen behinderten die Lieferanten  und in der Folge auch den Geschäftsbetrieb. Die damalige Situation am Suezkanal vereinfachte dies auch nicht. Leizel Ebert´s Ehemann war damals beruflich noch sehr stark eingebunden und konnte nur wenig helfen. Dennoch kämpfte sich die junge Filipina durch die Wirren dieser Zeit. Das Geschäft bestand trotz Mutterschaft letztlich den Stresstest! Der Kundenstamm wuchs sukzessive weiter an.

Außerdem meldete sich in dieser harten Zeit wieder Nachwuchs an- das zweite Kind kam auf die Welt. Die junge Mutter und Geschäftsfrau, mit einem Ehemann, der in unregelmäßigen Schichtdienst der Familie sehr oft fehlte, war weiterhin gefordert, alles in Einklang zu bringen. Aufgrund der o.g. Corona – Unzeit war an Urlaub nicht zu denken. Corona Ausfallszahlungen  wurden ebenso nicht beantragt, weil die Modalitäten sich damals täglich änderten. Aber zu Hause organisierte Frau Ebert einen räumlichen Umbau am Haus und der Geschäftsraum, ihr „Laden“ wurde zu einem kleinen Schmuckstück. Das blieb auch manchem im Ort nicht verborgen.

Torten und Gebäck als weiteres Standbein.

Nebenbei entwickelte sich die junge Frau auch noch zu einer gefragten Konditorin. Viele Freunde, Bekannte und per Mundpropaganda Neukunden bestellten ihre Torten und Süßwaren. Dieser kleine Geschäftszweig wurde natürlich auch per Gewerbeanmeldung auf rechtlich auf legale Füße gestellt. So kommen heute neben dem 5-Tage-Alltagsgeschäft im Online Handel auch noch diese Bestellungen dazu. Mit ihrem Mann hat sie sich dazu  im Haus eine kleine „Backstube“ eingerichtet. Damit und mithilfe des separates Lagers kann sie sie nahezu alle Tortenträume der Kundschaft erfüllen. 

Asia-Laden findet zunehmend Interesse: Sari Sari steht in den Philippinen für „Tante Emma“ Laden , Snacks und Getränke. 

Das Ehepaar hat mit seinen Kindern viele Hindernisse überwunden und Herausforderungen gemeistert. Die großen Baumaßnahmen der letzten Jahre erleichtern heute die Anlieferung der Ware direkt vom Geschäft. Es gibt die Kundschaft, die ihre Bestellung auch gleich direkt abholen will oder sich vor Ort von der großen Auswahl philippinischer Food Ware überzeugen will. Die kann ebenso bei einer gemütlichen Tasse Kaffee auf Kosten des Hauses shoppen wie auch die Nachbarn, die schnell nur mal zum Knabbern holen möchten. Selbst Fremde, die schnell mit dem Fahrrad anhalten und sich umsehen, nach einem Getränk für die Radtour fragen, werden nicht abgewiesen.

Seit 2025 gibt es Leizel`s Sari Sari Store auch einen DHL-Paketshop

Im Dezember 2025 schloss Leizel Ebert zudem einen  Partnerschaftsvertrag mit DHL ab. Nun gibt es im Daßlitzer „Leizel`s Sari Sari Store“ auch einen DHL-Paketshop , so dass die Einheimischen im Dorf Pakete abgeben und abholen können.

Am 01.Juli 2026 konnte nun das 10-jährige Jubiläum begangen werden. Was genauso geräuschlos und von der Öffentlichkeit relativ unbemerkt als Datum im Kalender stand. Leizel Ebert wäre aber eine schlechte Geschäftsfrau, wenn sie aus diesem Anlass nichts für ihre Kunden übrig hätte. So gab es direkt am 01.Juli einen Obolus der „Chefin“ für alle Bestellungen, die an diesen 01.Juli eingegangen sind. Im August ist noch eine kleine private Party mit geladenen Gästen, Familie und Freunden geplant, die sich einmal mehr im Ort – aufgrund der zahlreichen Fahrzeuge mit auswärtigen Kennzeichen – nicht verheimlichen lassen wird. 

Wenn man Leizel Ebert nach ihren Wünschen fragt, dann klingt neben den üblichen allgemeinen Wünschen ein Wunsch besonders an. Sie hat schon sehr lange ihre deutsche Staatsbürgerschaft beantragt. Sie lebt vom ersten Tag an mit ihrer deutsch- philippinischen Familie hier. Sie benötigte nicht einen Cent an deutschen Zuwendungen! Mit zwei Geburten trug sie zum Erhalt des deutschen Rentensystems bei. Der deutsche Staat freut sich über ihre Steuern. Aber die deutsche Staatsangehörigkeit wurde ihr bisher verwehrt. Auch das ist eine Frage, wie man hierzulande Integration sinnvoll und zielgerichtet gestaltet. Die oft zitierte Interpretation „…mit Migrationshintergrund“ lehnt sie komplett ab. Die Liebe brachte sie nach Deutschland und eben kein Migrationshintergrund. Leizel Ebert fühlt sich Deutschland genauso verbunden wie ihrer ursprünglichen Heimat, deren Entwicklung sie durchaus kritisch sieht. Sie schätzt an ihre neuen Heimat Berechenbarkeit, Ruhe und Ordnung. Daher lautet ihr größter Wunsch: Vielleicht klappt es noch in 2026 mit der deutschen Staatsbürgerschaft. 

Wir finden: Eine tolle Lebensgeschichte, eine Erfolgsgeschichte im Kleingewerbe und eine echte Bereicherung für uns alle. 

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