Fragen wurden faktisch nicht beantwortet. Vielleicht liest die Politik hier mit?
(Greiz, 2.10.2026). Um es vorab einmal deutlich zu formulieren: An seiner Medienkompetenz muss André Süßmilch, der Geschäftsführer (GF) der Energieversorgung Greiz (EVG) GmbH, noch deutlich nacharbeiten. Es ist völlig natürlich, dass bei einem großflächigen Ausfall der Energieversorgung nicht nur die Betroffenen wissen wollen, was los war und wie lange es dauert.
Für solche Anfragen gibt es Medien, wo man als Unternehmen das auch kanalisieren kann. Wenn man denn wollte. Andre Süßmilch will erkennbar nicht. Die erste Frist des Redaktionsschlusses ließ er unbeantwortet verstreichen. Als die Redaktion des Heimatbote Vogtland (HBV) nachfasste, den Greizer Bürgermeister (als Aufsichtsratsvorsitzenden) mit in´s Boot holte und eine Nachfrist setzte, reagierte die EVG heute früh mit folgendem nichtssagendem Schreiben:

Sieben Fragen wurden nicht beantwortet. Damit stellen sich noch mehr Fragen als vorher
In unserem Artikel vom 29.09.2026 (diesen finden Sie zum Nachlesen hier) hatten wir dem Unternehmen insgesamt sieben Fragen zukommen lassen. Das waren und sind keine bösen Fragen. Sondern Fragen, die auch in der Bürgerschaft diskutiert und an uns herangetragen wurden. Zusammenfassten kann man diese unter der Überschrift: Wie konnte es so weit kommen- und wie geht es jetzt weiter?
Frage 1– Anzahl Einsatzkräfte: Diese sollte den Greizer bzw. unseren Lesern Antwort geben, welche personell anspruchsvolle Situation es am 24.09.2026 zu lösen galt. Mit der Antwort hätte die EVG zeigen können, wie sie auf das Ereignis reagiert hat. Zugleich hätte sich Gelegenheit ergeben, sich bei anderen Einsatzkräften (zuvorderst Feuerwehr und Polizei, aber auch der PRG) zu bedanken.
Frage 2- Ursachen: Damit wollte die HBV-Redaktion in´s Kraut schießenden Gerüchten vorbeugen. Es war eine einfache Frage, die nach wie vor nicht beantwortet wurde. Wer hat da noch Fragezeichen über dem Kopf?
Frage 3- regelmäßige Prüfungen: „Materialermüdung“ brachte die EVG selbst in´s Spiel. Wenn dann ganze Ortsteile im Kalten sitzen, wollen sicher nicht die die Betroffenen wissen, ob man das nicht hätte vorher feststellen können.
Frage 4- fehlende Redundanz: Auch die „alleinige Versorgungsleitung“ hat die EVG in´s Spiel gebracht. Wie das Ergebnis ohne Redundanz (Umleitungsmöglichkeit) aussieht, durften oder mussten Anwohner Greizer Ortsteile zur Kenntnis nehmen. Im Stadtrat Greiz wurde dieses Thema (allerdings bezogen auf großflächige Stromausfälle wie Brown- oder Blackouts) wiederholt nachgefragt. Hier reagierte GF Süßmilch wie aktuell: ausweichend, verniedlichend, diffus. Hilfreich ist das nicht. Im Gegenteil- die Energieversorgung wirkte in der letzten Woche reichlich hilflos und angespannt. Eine finale Lösung für das Problem scheint es noch nicht zu geben!
Frage 5- Vorsorgeprüfung: Kurze Antwort- offenbar gar nicht. Anders kann man dieses „mauern“ gar nicht interpretieren. Auch das wirft viele Folgefragen auf, ob die EVG a) Herr der Lage ist und b) sich der Tragweite solcher Havarien (vor allem für die Betroffenen) wirklich bewusst ist. Es herrschen noch ungewöhnlich hochsommerliche Temperaturen. Man will sich gar nicht ausmalen, wie es den Betroffenen in Tannendorf, Hasental oder Obergrochlitz ergangen wäre, wenn so etwas in einem knackig kalten Februar passiert.
Frage 6- realistische Lösungsansätze: Auch zu realistischen Lösungsansätzen gibt es keine Antwort. Gibt es (noch) keine? Zumindest Planskizzen sollte es nach einer Woche Anstrengung doch sicher geben, oder nicht? Auch wenn sich das eine oder andere vielleicht nicht umsetzen lässt. Mit ausbleibender Antwort wirkt die EVG GmbH reichlich planlos. Von Planmäßigkeit zu schreiben wirkt hier ziemlich deplatziert.
Frage 7- Vollversorgung: Auch hier- kein (ungefähres) Zeitfenster. Das es nicht von heute auf morgen geht, dafür hat jeder Verständnis. Auch unsere Redaktion. Die EVG in Gestalt von GF Süßmilch ließ leider die Gelegenheit verstreichen, den realen Aufwand zur Wiederherstellung eines Netzanschlusses (sowohl zeitlich, personell wie auch finanziell) zu beschreiben. Mit der Hochrechnung bei 388 betroffenen Netzanschlüssen hätte man noch für mehr Verständnis in der Bevölkerung und bei Betroffenen werben können. Aber wie heißt es so schön? Hätte, hätte, Fahrradkette. Um den Hund und den Hasen (in einem anderen Sprichwort) aus dem Spiel zu lassen.

Wichtige Frage: Warum gibt man der OTZ ein Interview, antwortet dem HBV aber nicht?
Bei allem Stress einer Havarie hatte Herr Süßmilch – ausweislich eines Artikels der Ostthüringer Zeitung (OTZ) – durchaus die Zeit, sich für die OTZ Zeit zu nehmen. Das ist völlig in Ordnung und nicht zu kritisieren. Unsere zweite Mail wurde auch nicht von ihm beantwortet. Sicher gibt es in der EVG noch Personen, welche die Antworten auf unsere Fragen hätten zusammentragen können.
Es bleibt dennoch ein fader Beigeschmack bei diesem Umgang mit den Medien. Wohlwollender wird unsere Berichterstattung dadurch sicher nicht. Im Gegenteil: Wir werden künftig bei öffentlich-rechtlichen (Grund-)Versorgern, die quasi mit einem regionalen Monopol ausgestattet sind, künftig noch genauer hinschauen und hinterfragen. Dieser Umgang ist also der berühmte Schuss in´s Knie, den man noch lange spüren wird. Somit gelangt man auch zur nächsten Frage:
Wenn Fragen den Medien nicht beantwortet werden- gehören die dann auf die politische Ebene?
Wenn Medienanfragen nicht oder – wie hier – nur sehr ausweichend beantwortet werden, stellt sich jede Redaktion naturgemäß die Frage: Warum? Was haben die zu verbergen, dass simple Fragen nicht simpel und verständlich beantwortet werden? Dann wird jede Redaktion weiter recherchieren.
Da es sich bei der EVG GmbH um ein quasi städtisches Unternehmen handelt, ist man dann schnell bei den politischen Akteuren. Man darf also gern fragen: Was macht eigentlich der Bürgermeister und der Aufsichtsrat? Oder Stadträte, deren Fragerechte sogar juristisch geregelt sind und denen sich ein Geschäftsführer wie Herr Süßmilch jährlich zu stellen hat. Man darf also gespannt sein, ob und ggf. welche Kommunalpolitiker hier mitlesen und auch ein Interesse an der Beantwortung der oben gestellten Fragen haben. Das dürfte spannend werden. Der HBV bleibt da weiter am Ball….

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